Die kurze Antwort
Alkoholfreier Rotwein kann sich bei Fülle, Süße und Gerbstoffen deutlich von alkoholhaltigem Rotwein unterscheiden. Wähle nach dem fertigen Geschmack. Halte dich bei der Temperatur an die Angabe des Herstellers. Zimmertemperatur ist hier keine verlässliche Empfehlung.

Warum die Erwartung an kräftigen Rotwein oft nicht passt
Der Alkohol trägt beim Rotwein viel: Fülle, Wärme und Gewicht im Mund. Zieht man ihn heraus, verändert sich das Mundgefühl. Gerbstoffe, also der pelzig-trockene Eindruck auf der Zunge, wirken im neuen Gleichgewicht anders. Erwartest du einen schweren, wärmenden Rotwein, kann dir eine entalkoholisierte Variante leicht vorkommen. Ein Urteil über das Getränk selbst ist das noch nicht.
Für die Auswahl helfen konkrete Fragen. Suchst du rote Frucht, Würze oder möglichst wenig Süße? Soll die Flasche pur gefallen oder zu einem bestimmten Gericht passen? Ein bekannter Rebsortenname beantwortet davon keine einzige. Er sagt dir nur, welche Traube im Spiel war.
Herb, sauer oder süß: Was stört dich wirklich?
Probier eine kleine Portion und beschreib zuerst deinen Eindruck. „Zieht im Mund zusammen“ ist etwas ganz anderes als „schmeckt sauer“. Und „duftet nach Frucht“ heißt noch lange nicht „schmeckt süß“. Der Nase fällt die Frucht auf, der Zunge der Zucker. Diese Unterscheidung schützt dich davor, beim nächsten Einkauf nach der falschen Eigenschaft zu fragen.
Erscheint dir eine Variante zu süß, vergleiche beim nächsten Kauf auch die Zuckerwerte. Stört dich vor allem ein rauer Eindruck, such gezielt einen leichteren Stil mit weniger Gerbstoff. Probier ihn dann am vorgesehenen Essen. Pur und zum Teller können zwei sehr verschiedene Urteile herauskommen.

Welche Trinktemperatur passt?
Die berühmte Zimmertemperatur hilft hier nicht weiter. Eine pauschale Empfehlung von 18 °C ist für alkoholfreien Rotwein nicht sinnvoll. Carl Jung nennt für seinen Merlot im Datenblatt beispielsweise 8 bis 10 °C. Diese Angabe gehört zu genau diesem Produkt. Eine neue Regel für sämtliche alkoholfreien Rotweine wird daraus nicht.
Fang mit der Empfehlung auf deiner Flasche an. Schenk eine kleine Probe ein und probier sie etwas später noch einmal, während sie im Glas allmählich wärmer wird. Notiere, wann sie dir am besten gefällt. So findest du deine Servierweise, ohne die ganze Flasche lange ungekühlt stehen zu lassen.
Zu welchem Essen lohnt ein Versuch?
Gebratene Pilze, ein Linsengericht mit Röstaromen oder Ofengemüse sind gute Probierideen. Das sind eigene Vorschläge, keine gemeinsam getesteten Kombinationen. Entscheidend bleiben Sauce und Würzung. Ein kräftig süßes Barbecue-Gericht ist eine völlig andere Aufgabe als milde Pilze mit Kräutern.
Vergleiche immer mit einem vollständigen Bissen. Wird der Wein dabei angenehmer? Oder fällt gerade jetzt seine Süße oder seine Herbe störend auf? Notiere neben der Flasche auch das Gericht. Eine gelungene Kombination lässt sich nur wiederholen, wenn du beide Hälften kennst.
Lohnt sich Dekantieren oder langes Lagern?
Übertrag die Rituale für klassischen Rotwein nicht einfach mit. Für den ersten Versuch brauchst du weder eine Karaffe noch lange Belüftung. Dekantieren heißt, den Wein zum Atmen in ein breiteres Gefäß umzugießen. Eine saubere kleine Probe bei passender Temperatur zeigt dir schon, ob der Stil grundsätzlich gefällt.
Behandle die Flasche auch nicht wie einen Wein für jahrelange Reifung. Halte dich an das Mindesthaltbarkeitsdatum und die Lagerhinweise. Nach dem Öffnen zählt die Frist des Herstellers. Eine kräftige dunkle Farbe verspricht dir keine lange Haltbarkeit.