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Kurz erklärt · 4 Minuten Lesezeit

Traditionelle Flaschengärung: Wie kommen die Perlen ins Glas?

Zweite Gärung, Hefelager und Degorgieren in einfacher Sprache erklärt.

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Die kurze Antwort

Bei der traditionellen Methode gärt der Wein ein zweites Mal, und zwar in der schon verschlossenen Flasche. Dabei entsteht Kohlendioxid, ein Gas. Es kann nicht entweichen und löst sich im Wein. Beim Öffnen wird daraus wieder Gas, und das ist das Prickeln im Glas.

Traditionelle Flaschengärung: Wie kommen die Perlen ins Glas? — Motiv zum Thema Schaumwein

Vom stillen Wein zum Schaumwein

Am Anfang steht ein stiller Wein, also einer ohne Perlen. Der Winzer füllt ihn in Flaschen und gibt Hefe und etwas Zucker dazu. Dann verschließt er die Flasche. Die Hefe frisst den Zucker und macht daraus Alkohol und Kohlendioxid. Danach liegt der Wein eine Weile auf der Hefe. Ganz zum Schluss muss dieser Hefesatz wieder heraus, bevor die Flasche endgültig verschlossen wird.

Der geschlossene Behälter ist der ganze Trick. Das Gas kann nirgendwohin und löst sich im Wein, ähnlich wie in einer Flasche Sprudel. Öffnest du sie, fällt der Druck. Aus dem gelösten Gas werden wieder Bläschen, die nach oben steigen. An dieser Mechanik ändert sich nichts, egal ob die zweite Gärung in einer einzelnen Flasche oder in einem großen Tank abläuft.

Die Unterschiede stecken im Detail. Bei der traditionellen Methode bleibt der Wein in genau der Flasche, in der er vergoren ist. Dort liegt er auf der Hefe, so lange der Betrieb es für richtig hält. Am Ende steht eine knifflige Aufgabe: Der Hefesatz muss raus, der Druck soll bleiben. Dieser Schritt heißt Degorgieren. Erst danach kommt der endgültige Verschluss auf die Flasche.

Genau dieser Zwischenschritt macht das Verfahren aufwendig. Jede Flasche geht einzeln durch die Hände. Im Tank dagegen wird eine große Menge auf einmal fertig und danach abgefüllt. Für dich im Glas ist das zunächst nur eine Auskunft über den Weg, nicht über das Ziel.

Was du davon schmecken kannst

Frag beim Einkauf danach, wie der fertige Wein riecht und schmeckt. Das Wort Flaschengärung verrät dir das nicht. Es sagt nur, wie der Wein entstanden ist. Ob dir Duft und Mundgefühl gefallen, hängt außerdem an der Rebsorte, an der Süße und an der Reife.

Zum Lernen hilft ein Vergleich. Stell einen fruchtigen Sekt aus dem Tank neben einen flaschenvergorenen, der laut Beschreibung nach Gebäck riecht. Halte die Süße bei beiden möglichst ähnlich, sonst vergleichst du am Ende nur den Zucker. Schreib deine eigenen Eindrücke auf, bevor du die Beschreibung liest. Du musst keine Brotkruste riechen, nur weil jemand sie auf das Etikett geschrieben hat.

Trenne dabei Verfahren und Ergebnis. Ein flaschenvergorener Wein mit kurzem Hefelager kann schlank und frisch wirken. Ein anderer mit kräftigen Hefenoten muss dir nicht gefallen, bloß weil der Weg dorthin mehr Arbeit gemacht hat. Mehr Aufwand im Keller heißt nicht automatisch mehr Freude im Glas.

Beim Probieren hilft Ruhe. Nimm zwei Gläser derselben Form und schenke beide Weine gleich kalt ein. Rieche zuerst, ohne zu schwenken. Achte danach auf das Prickeln im Mund: fein und anhaltend oder grob und schnell vorbei. Halte deinen Eindruck in eigenen Worten fest. Das bringt dir mehr als nachgesprochene Etikettvokabeln.

Schaumwein: Was du davon schmecken kannst

Was Flaschengärung nicht automatisch bedeutet

Ein verbreiteter Irrtum: Jemand pumpe das Gas nachträglich in den Wein. Bei der zweiten Gärung entsteht es im Wein selbst, weil die Hefe den Zucker verarbeitet. Der Winzer sorgt nur dafür, dass es nicht entweichen kann.

Der zweite Irrtum betrifft die Qualität. Flaschengärung ist kein Gütesiegel. Der Begriff beschreibt einen Arbeitsweg, mehr nicht. Über Rebsorte, Süßegrad, Reife und die Sorgfalt beim Grundwein sagt er nichts. Zwei flaschenvergorene Weine können weiter auseinanderliegen als ein flaschenvergorener und einer aus dem Tank.

Hefenoten sind weder ein Fehler noch eine Pflicht. Manche mögen den Eindruck von Gebäck oder Brotkruste. Andere suchen genau die klare Frucht. Das ist Geschmack, keine Rangordnung.

Im Laden vor dem Regal

Schau zuerst, was über den fertigen Wein gesagt wird. Die Angabe zum Verfahren kommt danach. Steht auf dem Rücketikett oder am Preisschild nur der Hinweis auf die Gärung in der Flasche, weißt du noch wenig. Hilfreicher sind der Süßegrad und ein paar Worte zu Duft und Mundgefühl.

Interessiert dich das Thema wirklich, dann kauf zwei Flaschen und öffne sie am selben Abend. Nebeneinander fällt dir auf, was du einzeln überliest: der Duft, die Feinheit der Perlen, der Nachhall. Ein einzelnes Getränk beurteilt man fast immer zu freundlich oder zu streng.

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