Die kurze Antwort
Alkoholfreies Bier entsteht auf zwei Wegen. Entweder lässt die Brauerei erst gar nicht viel Alkohol entstehen, oder sie entzieht ihn dem fertigen Bier wieder. Der gewählte Weg prägt den Geschmack. Und es gibt dabei längst nicht nur einen Stil.

Zwei grundsätzliche Wege
Der erste Weg verhindert, dass überhaupt viel Alkohol entsteht. Die Brauerei stoppt die Gärung früh. Oder sie arbeitet mit besonderen Hefen, die kaum Alkohol bilden. Gärung meint dabei den Vorgang, bei dem die Hefe Alkohol bildet.
Der zweite Weg beginnt mit einem ganz normalen Bier. Erst danach kommt der Alkohol wieder heraus. Das geschieht etwa durch Verdampfen im Vakuum oder über Membranen. Eine Membran ist ein sehr feiner Filter.
Beide Wege hinterlassen Spuren im Glas. Die früh gestoppte Gärung lässt oft Restsüße und einen würzigen Getreideton zurück. Genau das ist der Geschmack, den viele von älteren alkoholfreien Bieren kennen. Der nachträgliche Entzug kostet dagegen Aromen, weil sie gemeinsam mit dem Alkohol verschwinden.
Welchen Weg eine Brauerei gewählt hat, steht selten auf dem Etikett. Das Ergebnis prägt er trotzdem. Für dich heißt das: Zwei alkoholfreie Biere können sich stärker unterscheiden als zwei gewöhnliche. Gärführung, Hefe und Entzugsverfahren eröffnen sehr verschiedene Stile. Süß und flach ist deshalb keine Regel mehr. Auch hopfenbetonte und röstige Ausführungen gibt es.
Den Bierstil mit auswählen
Such nicht einfach „ein alkoholfreies Bier“. Such den Stil, den du sonst auch trinkst. Magst du ein herbes Pils, beginnst du mit einer entsprechend beschriebenen alkoholfreien Variante. Interessiert dich fruchtiger Hopfenduft, führt dich eine andere Richtung weiter.
Frag zusätzlich nach der konkreten Alkoholangabe, falls sie dir wichtig ist. „Alkoholfrei“ ist eine Bezeichnung und keine Zahl. Die Zahl steht auf der Flasche.
Vergleich gut gekühlte kleine Proben im Glas. Notier dir dabei drei Dinge: Süße, Bitterkeit und Mundgefühl. Mehr brauchst du nicht, und weniger sagt dir zu wenig. Beachte nach dem Öffnen außerdem die Lagerhinweise auf der Flasche.
Beim Essen zählt, was neben dem Teller im Glas steht. Ein alkoholfreies Bier muss nicht gegen seine alkoholhaltige Schwestermarke antreten. Es darf unabhängig davon die passendere Wahl für deinen Abend sein. Der ständige Vergleich mit dem Original führt meist nur zu Enttäuschung.
Zum Schluss ein Hinweis für alle Skeptiker. Wer alkoholfreies Bier vor zehn Jahren zuletzt probiert hat, kennt den heutigen Markt nicht. Es gibt inzwischen alkoholfreie IPAs, also hopfenbetonte Biere, dazu Weizenbiere und Sauerbiere. Die Qualität ist bei vielen deutlich gestiegen. Ein schlechter Eindruck von damals sagt über heute wenig.
