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Kurz erklärt · 4 Minuten Lesezeit

Müller-Thurgau und Rivaner: Was steckt dahinter?

Müller-Thurgau ist kein Riesling-Silvaner-Gemisch. Herkunft, Name und typische Stilrichtung verständlich erklärt.

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Die kurze Antwort

Müller-Thurgau ist eine weiße Rebsorte. Sie heißt auch Rivaner. Ihre Elternsorten sind Riesling und Madeleine Royale. Der Name Rivaner führt bei der Abstammung also leicht in die Irre.

Müller-Thurgau und Rivaner: Was steckt dahinter? — Motiv zum Thema Rebsorten

Eine Kreuzung ist kein Verschnitt

Die Sorte entstand durch Rebenzüchtung. Zwei fertige Weine zu mischen ist etwas ganz anderes. Silvaner war früher als Elternteil im Gespräch. Das hat sich nicht bestätigt.

Die Weine gelten als mild, feinfruchtig und manchmal leicht muskatartig. Süß ist deshalb nicht jede Flasche. Achte weiterhin auf die Geschmacksangabe und auf die Beschreibung des Ausbaus.

Eine Kreuzung beginnt im Weinberg. Der Pollen einer Sorte befruchtet die Blüte einer anderen. Daraus entsteht ein Kern, und aus dem Kern wächst eine neue Rebe mit eigenen Eigenschaften. Diese Eigenschaften behält sie. Ein Verschnitt ist dagegen eine Entscheidung am fertigen Wein. Sie kann im nächsten Jahrgang anders ausfallen. Müller-Thurgau ist also eine eigene Sorte und keine Rezeptur.

Der Name Rivaner klingt nach einer Verbindung von Riesling und Silvaner. Genau dort setzt das Missverständnis an. Die Elternsorten heißen Riesling und Madeleine Royale. Der zweite Teil des Namens führt also in die Irre. Für den Geschmack im Glas ändert das nichts. Es erklärt aber, warum sich die Silvaner-Erzählung so lange hält.

Mild und feinfruchtig beschreiben einen Eindruck, keinen Zuckergehalt. Ein Wein mit zurückhaltender Säure wirkt auf viele Menschen weicher und damit süßer, als er gemacht wurde. Genauer wird es auf dem Etikett. Dort steht die Geschmacksangabe. Steht da trocken, ist der Wein trocken, auch wenn er sich runder anfühlt als ein säurebetonter Weißwein.

Unkompliziert darf eine Stärke sein

Suchst du einen zurückhaltenden Wein für ein einfaches Essen, ist ein frischer Rivaner ein guter Ausgangspunkt. Der Name braucht weder eine Verteidigung noch eine Überhöhung. Beurteile die Flasche, die tatsächlich vor dir steht.

Eine hilfreiche Frage im Laden lautet: Ich suche etwas Leichtes, ohne starke Säure und ohne deutliche Süße. Passt dieser Wein dazu? So wird aus einem bekannten Sortennamen eine konkrete Auswahl. Notiere dir danach auch Jahrgang und Erzeuger und nicht nur das Wort Müller-Thurgau.

Ein zurückhaltender Wein hat einen praktischen Vorteil. Er fällt dem Essen nicht ins Wort. Für Abende, an denen niemand über den Wein sprechen will, ist das genau richtig. Servier ihn gut gekühlt, aber nicht eiskalt. Bei zu tiefer Temperatur verschwindet die feine Frucht, und die ist bei dieser Sorte oft das Angenehmste.

Notizen lohnen sich, weil ein Sortenname allein wenig verrät. Zwei Flaschen mit derselben Bezeichnung können sehr verschieden ausfallen. Erzeuger, Jahrgang und Ausbau machen den Unterschied. Schreib also auf, was auf dem Etikett stand, und dazu einen halben Satz, was dir gefallen oder gefehlt hat. Beim nächsten Einkauf hast du damit mehr in der Hand als einen Namen.

Rebsorten: Unkompliziert darf eine Stärke sein

So findest du einen Müller-Thurgau, der dir schmeckt

Vier Schritte führen dich von der ersten Neugier bis zur konkreten Flasche. Jeder Schritt baut darauf auf, dass der vorige geklärt ist.

Hast du im Laden wenig Zeit, reicht meist der dritte Schritt. Wichtig ist, dass du dein Ziel in eigenen Worten sagen kannst. Ein Sortenname allein tut das nicht. Alles Weitere klärt sich am Etikett oder im Gespräch, und beides kostet keine zwei Minuten.

So findest du einen Müller-Thurgau, der dir schmeckt
SchrittKonkrete Frage oder Handlung
Im GesprächWie frisch und wie süß wirkt der Wein?
Auf dem EtikettRivaner bezeichnet dieselbe Rebsorte; die Kreuzung ist kein Verschnitt.
Beim ProbierenSuche ich einen unkomplizierten Begleiter?
Dein VergleichDie gewünschte Süße beim Bestellen ausdrücklich nennen.

Was Müller-Thurgau zu Unrecht nachgesagt wird

Das erste Missverständnis steckt im Namen. Rivaner und Müller-Thurgau bezeichnen dieselbe Rebsorte. Zwei verwandte Sorten sind es nicht. Auf dem Etikett kann also beides stehen, ohne dass sich im Glas etwas ändert. Wer die zwei Namen nebeneinander sieht, sucht leicht nach einem Unterschied, den es gar nicht gibt.

Das zweite betrifft die Süße. Die Weine werden oft als mild beschrieben, deshalb gelten sie vielen pauschal als lieblich. Die Geschmacksangabe auf dem Etikett sagt dazu mehr als jede Sortenbeschreibung. Genau darauf solltest du schauen.

Das dritte Missverständnis: Eine gezüchtete Sorte sei etwas Gemachtes und damit weniger wert als eine alte. Auch diese Rebe wächst im Weinberg, wird gelesen und im Keller zu Wein. An dieser Arbeit entscheidet sich, wie gut der Wein wird. Die Herkunft des Namens entscheidet gar nichts.

Wie du die Sorte für dich einordnest

Am schnellsten lernst du mit zwei Flaschen derselben Sorte nebeneinander. Sie sollten sich in der Geschmacksangabe unterscheiden: eine trockene und eine halbtrockene. Öffne beide am selben Abend und schenk kleine Mengen in gleiche Gläser. So merkst du, welcher Teil des Eindrucks vom Zucker kommt und welcher von der milden Art der Sorte selbst.

Achte dabei weniger auf Begriffe als auf deine Reaktion. Fühlt sich der Wein weich an, oder zieht er im Mund zusammen? Bleibt die Frucht nach dem Schluck, oder ist sie sofort weg? Diese zwei Beobachtungen reichen, um beim nächsten Einkauf gezielter zu fragen. Und sie funktionieren, egal ob auf dem Etikett Müller-Thurgau oder Rivaner steht.

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