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Ratgeber · 11 Minuten Lesezeit

Wein für Einsteiger: Deinen Geschmack finden, passend auswählen und genießen

Welcher Wein passt zu dir? Dein praktischer Wein-Guide mit Geschmackswegweiser, Auswahlhilfe zum Essen, Einkaufscheck und Tipps zu Temperatur, Glas und Lagerung.

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Die kurze Antwort

Such den Wein nach drei Dingen aus: nach deinem Geschmack, nach dem Essen und nach dem Anlass. Trenne dabei vier Eigenschaften voneinander: Süße, Säure, Gerbstoffe und Körper. Gerbstoffe sind die Stoffe aus Schale und Kern, die den Mund rau machen. Körper meint, wie schwer ein Wein im Mund liegt. Wer diese vier Wörter kennt, kauft gezielt ein. Der Preis und ein glänzendes Etikett verraten dir dagegen wenig.

Wein für Einsteiger: Deinen Geschmack finden, passend auswählen und genießen — Motiv zum Thema Weinwissen

Welcher Wein passt zu dir? Vier Eigenschaften genügen

Für den Anfang brauchst du weder Jahrgänge noch berühmte Weinberge. Denk lieber an Getränke, die du schon magst. Gefällt dir etwas Frisches, Zitroniges? Darf ein Getränk süß schmecken? Soll es leicht sein oder den Mund richtig füllen? Stört dich ein raues Gefühl am Zahnfleisch? Solche Beobachtungen bringen dich weiter als die Suche nach dem besten Wein. Den besten Wein gibt es nämlich nicht, nur den, der dir schmeckt.

Denk auch an einen Wein, der dir nicht geschmeckt hat. Sag dann möglichst genau, was dich gestört hat. „Zu trocken“ meint im Alltag ganz Verschiedenes: zu wenig süß, zu sauer oder zu viel Gerbstoff. Jede dieser drei Klagen führt im Laden zu einer anderen Flasche. Fachsprache brauchst du dafür nicht. Ein Satz wie „fruchtig, aber nicht süß, und nicht rau im Mund“ reicht völlig aus.

Die vier Eigenschaften mischen sich in jedem Glas. Ein Wein wirkt frisch und macht den Mund trotzdem rau. Ein anderer füllt den Mund, ohne süß zu schmecken. Spür beim Probieren deshalb bewusst nach. Zieht sich etwas am Zahnfleisch zusammen? Dann spürst du Gerbstoff. Läuft dir das Wasser im Mund zusammen? Dahinter steckt die Säure. Bleibt ein süßer Eindruck auf der Zunge? Der kommt vom Zucker, der im Wein geblieben ist. Und liegt der Wein schwer im Mund, nennen Fachleute das seinen Körper.

Welcher Wein passt zu dir? Vier Eigenschaften genügen
EigenschaftSo bemerkst du sieSo kannst du danach fragen
SüßeSpürbarer süßer Geschmack auf der ZungeTrocken oder mit etwas Restsüße?
SäureFrische, die den Speichelfluss anregtLebhaft-frisch oder weicher im Eindruck?
GerbstoffeRaues, zusammenziehendes MundgefühlMit wenig Gerbstoff oder bewusst kräftig?
KörperLeicht oder füllig im MundLeichter Begleiter oder gehaltvoller Wein?

Vier Richtungen zum Ausprobieren

Aus der Übersicht lernst du vor allem eins: Die Rebsorte allein sagt dir noch nicht, wie ein Wein schmeckt. Rebsorte meint die Traubensorte, also zum Beispiel Riesling. Herkunft, Reife, Süße und der Ausbau verändern das Ergebnis stark. Ausbau ist die Arbeit im Keller nach der Gärung. Lies deshalb immer die Beschreibung der konkreten Flasche oder bitte um eine kleine Probe. Vergleichst du zwei Weine, halte möglichst viel gleich: dasselbe Glas, dieselbe Temperatur, derselbe Abend.

Fang an, wo du magst. Rotwein ist kein Pflichtprogramm für Fortgeschrittene. Ein Wein mit etwas Süße ist auch keine Vorstufe, die man hinter sich lassen muss. Dein Geschmack entscheidet, sonst niemand. Die Übersicht oben hilft dir vor allem beim Fragen. Mit ihr formulierst du eine Anfrage, die im Laden jeder versteht.

Eine Empfehlung, die nicht trifft, ist kein Fehlschlag. Sie ist eine Information. Halte fest, welche der vier Eigenschaften zu viel oder zu wenig war. Beim nächsten Versuch änderst du genau diese eine. Wer Rebsorte, Herkunft und Süße auf einmal tauscht, landet bei einem völlig anderen Wein. Hinterher weiß dann niemand mehr, woran der Unterschied lag.

Weinwissen: Vier Richtungen zum Ausprobieren
Vier Richtungen zum Ausprobieren
Du magst …Mögliche RichtungBeim Kauf zusätzlich prüfen
Lebhafte FrischeFrischer Riesling oder Sauvignon BlancSüße separat erfragen; Duft bedeutet nicht Zucker
Zurückhaltenden Duft und runden EindruckPassend beschriebener Weißburgunder oder GrauburgunderSäure und Holzausbau der konkreten Flasche
Rote Frucht mit wenig rauem MundgefühlLeichter, fruchtbetonter SpätburgunderNach zurückhaltenden Gerbstoffen fragen
Fülle und kräftige StrukturKräftiger Rotwein oder gehaltvoller WeißweinHolz, Alkoholwärme und Gerbstoffe getrennt betrachten

Trocken, fruchtig, mild: die häufigsten Missverständnisse

Trocken ist eine Angabe zur Süße, mehr nicht. Ein trockener Wein darf kräftig nach Pfirsich oder reifen Beeren duften. Er schmeckt trotzdem kaum süß. Umgekehrt gilt dasselbe: Ein lieblicher Wein hat nicht automatisch wenig Säure. Süße kann Säure überdecken. Weg ist die Säure damit aber nicht.

„Mild“ ist im Verkauf ein dehnbares Wort. Frag nach, was gemeint ist: wenig Säure, wenig Gerbstoff, ein weiches Mundgefühl oder spürbare Süße? Auch bei „feinherb“ lohnt die Rückfrage, wie süß der Wein wirklich wirkt. Eine konkrete Beschreibung hilft dir mehr als ein Werbewort auf dem Vorderetikett.

„Fruchtig“ beschreibt den Duft, nicht den Zucker. Im Gespräch rutscht beides oft durcheinander, und genau daraus entsteht die Enttäuschung im Glas. Sag deshalb, was du im Mund erwartest: spürbare Süße oder eben keine. So bekommst du auch einen Wein, der klar nach Frucht riecht und beim Trinken trotzdem schlank bleibt.

Wein zum Essen: Schau zuerst auf die Sauce

Fisch verlangt nicht zwingend Weißwein, Fleisch nicht automatisch Rotwein. Ein zart gedämpfter Fisch und ein kräftig gebratenes Stück mit würziger Sauce sind zwei verschiedene Aufgaben. Schau deshalb auf das kräftigste Element auf dem Teller. Das ist oft die Sauce, manchmal sind es Röstaromen, Süße, Säure oder Schärfe. Die Hauptzutat kommt erst danach.

Die Beispiele unten zeigen dir, woran eine Kombination hängt, und sie sind zum Vergleichen gedacht. Probier so: ein kleiner Schluck, ein Bissen, noch ein kleiner Schluck. Schmeckt der Wein danach bitter, sehr sauer oder plötzlich dünn? Dann passt die Kombination für dich wohl nicht. Dein eigener Eindruck zählt mehr als jede Zuordnung aus einem Buch.

Beurteile eine Kombination während des Essens, nicht vorher. Ein Wein, der allein kantig wirkt, kann neben dem Gericht runder werden. Ein weicher Wein kann daneben flach wirken. Stehen mehrere Gerichte auf dem Tisch, richte dich nach dem Teller, von dem du am meisten isst. Der Rest fügt sich meist von selbst ein.

Wein zum Essen: Schau zuerst auf die Sauce
Gericht oder ZubereitungEin möglicher StartpunktWorauf du achten kannst
Pasta mit TomatensauceFrischer, fruchtbetonter Wein mit passender IntensitätTomatensäure und sehr kräftige Gerbstoffe mitprobieren
Pilze oder helle RahmsauceEtwas fülligerer Weißwein, gegebenenfalls zurückhaltender RotweinNicht nur die Hauptzutat, sondern die Sauce vergleichen
Kräftig angebraten oder gegrilltStrukturierter Wein passend zur WürzungRöstaromen und süße oder scharfe Marinade berücksichtigen
Scharf gewürztWenig Gerbstoff, zurückhaltende Alkoholwärme; gegebenenfalls etwas SüßeKräftige, alkoholreiche Weine können zusätzlich scharf wirken
Süßes DessertEin ausreichend süß wirkender BegleiterEin trockener Wein kann daneben besonders sauer erscheinen

Im Laden oder Restaurant: so fragst du gezielt

Drei Angaben reichen für eine gute Beratung: deine Geschmacksrichtung, das Essen oder der Anlass und dein Budget. Ein Beispiel: „Ich suche einen frischen Weißwein ohne spürbare Süße, zu Pasta mit Tomatensauce. Nach Holz soll er nicht schmecken, und teuer darf er auch nicht sein.“ Ein Foto von einer Flasche, die dir gefallen hat, hilft zusätzlich.

Im Restaurant darfst du nach einer kleinen Probe fragen, sofern der Wein offen ausgeschenkt wird. Frag vorher auch nach Menge und Preis pro Glas. Im Laden reicht zum Kennenlernen eine einzelne Flasche. Eine ganze Kiste von etwas Unbekanntem ist ein Risiko. Und ein hoher Preis führt dich nicht zuverlässig zu deinem Lieblingsgeschmack.

Hat niemand Zeit für ein Gespräch, hilft das Rückenetikett oder das Schild am Regal. Such dort nach Angaben zur Süße, zur Säure und zum Holzfass. Findest du nur Werbesprache, lass die Flasche ruhig stehen. Notier dir außerdem die Namen der Weine, die dir gefallen haben. Diese Liste ist beim nächsten Einkauf deine beste Vorarbeit.

Alltag, Gäste oder Geschenk: den Anlass mitdenken

An einem normalen Abend genügt etwas, das zu dir und zum Essen passt. Eine seltene Flasche mit großer Geschichte brauchst du dafür nicht. Bei Gästen lohnt eine kurze Frage vorab: Möchten sie überhaupt Wein, und mögen sie eine bestimmte Richtung? Wasser und eine alkoholfreie Auswahl stehen genauso sichtbar auf dem Tisch.

Beim Geschenk zählt die bekannte Vorliebe des Beschenkten mehr als die Verpackung. Frag nach einer Lieblingsflasche oder einem bevorzugten Stil. Weißt du wenig über seinen Geschmack, ist eine frei einlösbare Auswahl oft die klügere Idee. Kauf auch nicht aus Gewohnheit einen lagerfähigen Wein. Vielleicht wird er bald geöffnet, vielleicht fehlt zu Hause der passende Platz.

Denk bei Gästen an den Verlauf des Abends. Eine Flasche, die früh aufgeht und lange offen steht, schmeckt später anders als beim ersten Glas. Für eine größere Runde sind zwei bekannte, unkomplizierte Weine angenehmer als fünf angebrochene in ganz verschiedenen Stilen. Am Ende weiß sonst niemand mehr, welcher Wein wem gefallen hat.

Richtig servieren: Temperatur und Glas bringen viel

Die Temperatur verändert einen Wein stärker, als die meisten erwarten. Sehr kalt duftet er kaum. Zu warm treten Alkohol und Schwere hervor. Aus den Werten unten liest du ab, wie unterschiedlich die einzelnen Weinarten behandelt werden wollen. Die Empfehlung auf der Flasche geht dabei vor. Ein einzelnes Glas kühlst du außerdem leichter nach als eine ganze Flasche, die schon lange warm steht.

Ein sauberes, geruchsfreies Weinglas reicht für den Anfang. Schenk wenig ein, damit über dem Wein Platz zum Riechen bleibt. Für jede Rebsorte ein eigenes Glas brauchst du nicht. Vergleichst du zwei Weine, nimm zweimal dasselbe Modell. So bleibt der Einfluss des Glases klein.

Ein Thermometer ist nicht nötig. Aus dem Kühlschrank kommt Weißwein meist kälter als gewünscht. Stell ihn in den Raum und probier zwischendurch, wie der Duft zunimmt. Rotwein aus dem warmen Zimmer darf vorher kurz in den Kühlschrank. Den Unterschied merkst du im Glas schneller, als jedes Etikett ihn erklären könnte.

Richtig servieren: Temperatur und Glas bringen viel
WeinstilStartbereichPraktischer Hinweis
Leichter Weißwein oder RoséEtwa 8–10 °CBei wenig Duft etwas wärmer nachprobieren
Kräftiger WeißweinEtwa 10–12 °CNicht so kalt servieren, dass das Aroma kaum auffällt
Leichter RotweinEtwa 12–14 °CLeicht gekühlt ausprobieren
Kräftiger RotweinEtwa 16–18 °CZimmerwärme im Sommer ist oft zu hoch

Eine kleine Weinprobe zu Hause

Such dir zwei Weine, deren Unterschied dich wirklich interessiert. Zum Beispiel dieselbe Rebsorte in zwei Süßegraden. Oder zwei Weine, von denen einer im Holzfass gelegen hat. Wechseln Rebsorte, Temperatur, Süße und Alter auf einmal, erkennst du hinterher nicht, was den Unterschied gemacht hat.

Rieche zuerst und notiere einen einfachen Eindruck. Nimm dann einen kleinen Schluck und trenne die vier Eigenschaften: Süße, Frische, raues Mundgefühl, Gewicht. Die ausführliche Beschreibung liest du erst danach. Sonst suchst du nur nach den Aromen, die dort ohnehin schon stehen. Am Schluss entscheidest du: Welchen würdest du wieder kaufen, zu welchem Anlass und warum? Austrinken musst du die Proben nicht.

Deck die Etiketten ab oder lass dir einschenken. So merkst du, ob dir der Wein gefällt oder nur deine Erwartung. Wasser zwischendurch macht den Eindruck wieder klar. Schreib in ganzen Sätzen auf, was du wahrnimmst. Eine Punktzahl nützt dir beim nächsten Einkauf wenig. Die Notiz „zu rau“ oder „zu süß“ hilft dir dagegen sofort weiter.

Nach dem Öffnen: kühl halten und Erfahrungen festhalten

Verschließ die Flasche gleich nach dem Einschenken. Angebrochene Weine stellst du in den Kühlschrank, auch roten. Den Roten nimmst du vor dem nächsten Glas rechtzeitig wieder heraus. Wie lange ein offener Wein gut schmeckt, hängt vom Wein, vom Verschluss und vom Aufbewahrungsort ab. Eine feste Zahl an Tagen würde diese Unterschiede nur verdecken.

Notier das Öffnungsdatum und den Namen der Flasche. Trinkst du nur selten ein Glas, schau dich nach kleineren Flaschen um. Auch offener Ausschank im Lokal ist dann eine gute Lösung. Beim nächsten Einkauf reicht dir ein Satz: „Frisch, angenehm, passte zum Essen, kaufe ich wieder.“ So wächst mit der Zeit eine Orientierung, ganz ohne Expertenwissen.

Wo die offene Flasche steht, wiegt schwerer als die Wahl des Verschlusses. Kühl und dunkel ist gut. Der Platz neben dem Herd ist es nicht. Schmeckt ein Wein am zweiten Tag anders, schreib auch das auf. Ob er dir dann besser oder schlechter gefällt, verrät dir etwas über deinen Geschmack.

Dein Einkaufscheck in einer Minute

Leg zuerst Geschmacksrichtung und Budget fest. Nenne beim Essen das Gericht samt Sauce. Kläre die gewünschte Süße, und frag bei „mild“ nach, was damit gemeint ist. Kauf zum Kennenlernen eine kleine Menge. Notiere hinterher, was dir gefallen hat.

Bist du noch unsicher, nutze den Wein-Wegweiser. Er gibt dir einen verständlichen Ausgangspunkt für das Beratungsgespräch. Eine angeblich objektive Bestenliste ist er nicht. Die Entscheidung trifft am Ende dein eigener Geschmack.

Was tun, wenn ein Wein nicht gefällt

Bevor du einen Wein abschreibst, prüf die Umstände. War er zu kalt oder zu warm? Stand er schon lange offen? Hat das Essen alles überdeckt? Probier dieselbe Flasche am nächsten Tag noch einmal, bei anderer Temperatur und ohne Essen. Oft verschiebt sich der Eindruck deutlich. Dann siehst du, ob wirklich der Wein nicht passt oder nur die Situation.

Bleibt es beim Nein, benenne den Grund mit einer der vier Eigenschaften. Zu süß, zu sauer, zu rau, zu schwer. Mit einem dieser Wörter kann dir im Laden jemand gezielt weiterhelfen. Ein bloßes „nicht mein Wein“ führt dagegen nur zur nächsten Zufallsempfehlung.

Was du für den Anfang nicht brauchst

Ein sauberes Glas, ein Kühlschrank und ein paar Notizen genügen. Dekanter, Belüfter, Vakuumpumpen und Messgeräte haben Zeit. Ein Dekanter ist übrigens nur eine Karaffe zum Umfüllen. Kauf solche Dinge, sobald du weißt, welche Weine du regelmäßig trinkst. Ein Vorrat ist ebenfalls keine Voraussetzung. Wer selten ein Glas trinkt, lernt aus einzelnen, aufmerksam probierten Flaschen mehr als aus einer Kiste im Flur.

Fachvokabeln brauchst du auch nicht. Beschreib in deinen eigenen Worten, wie sich der Wein anfühlt. Wichtig ist nur, dass du bei denselben Wörtern bleibst. Dann sind deine Notizen über Monate hinweg vergleichbar. Irgendwann erkennst du darin ein Muster, und genau das fehlt dir heute beim Einkauf.

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