Die kurze Antwort
Blanco, Reposado und Añejo sagen dir, wie lange ein Tequila im Holzfass lag. Blanco ist klar und zeigt die Agave, also die Pflanze, aus der Tequila entsteht. Añejo schmeckt deutlich nach Fass. Eine Rangliste von schlecht nach gut ist das nicht. Beide Stile haben ihre Aufgabe.

Blanco: die Agave im Vordergrund
Blanco ist der klare Tequila. Er kommt ohne Reifung in die Flasche oder liegt nur sehr kurz im Fass. Deshalb schmeckst du vor allem die Agave selbst. Viele beschreiben den Eindruck als kräutrig, pfeffrig oder fruchtig. Schlicht heißt dabei nicht billig. Für Margarita und Paloma ist Blanco der übliche Ausgangspunkt.
Zum Kennenlernen ist Blanco die ehrlichste Wahl. Ohne Holz steht im Glas, was die Agave und die Brennerei hergeben. Ein Añejo führt in die andere Richtung. Dort schmeckst du zuerst das Fass. Und Fass schmeckt bei vielen Spirituosen ähnlich. Dann ähnelt der Tequila anderen gereiften Bränden mehr, als dass er eigenständig wirkt.
Farbe ist beim Tequila ein Hinweis, kein Beweis. Ein Blanco ist wasserklar, ein gereifter Tequila golden bis bernsteinfarben. Aus der Farbe allein liest du trotzdem nicht ab, wie die Flasche gemacht wurde. Dafür brauchst du die Angaben auf dem Etikett.
Reposado, Añejo und Extra Añejo
Reposado liegt mindestens zwei Monate im Fass. Añejo mindestens ein Jahr, Extra Añejo mindestens drei Jahre. Das Holz gibt Farbe ab und oft auch Vanille und Würze. Mehr Zeit im Fass heißt aber nicht, dass dir der Tequila besser schmeckt. Die eigentliche Frage lautet anders: Wie viel Agave willst du noch wahrnehmen?
Ein Reposado liegt geschmacklich in der Mitte. Die Agave ist noch da, das Holz legt sich darüber. Viele finden hier den bequemsten Einstieg. Ein Añejo wirkt runder, weil das Fass länger Zeit hatte. Welche Stufe dir zusagt, merkst du am schnellsten im direkten Vergleich.
Die genannten Zeiten sind Untergrenzen. Eine Brennerei darf länger reifen lassen, als die Kategorie verlangt. Auf dem Etikett steht deshalb nur der Kategoriename und nicht die tatsächliche Dauer. Zwei Flaschen Reposado können also unterschiedlich lange im Holz gelegen haben.

Was 100 Prozent Agave bedeutet
Diese Angabe betrifft den Zucker, aus dem der Alkohol entsteht. Mit der Reifung hat sie nichts zu tun. Eine Flasche kann gleichzeitig 100 Prozent Agave und Reposado sein. Lies beide Angaben getrennt. Weder die goldene Farbe noch eine große Zahl auf der Vorderseite erklärt dir die ganze Machart.
Das Gegenstück heißt Mixto. Dort müssen nur 51 Prozent des Zuckers aus Agave stammen. Der Rest kommt aus anderen Zuckerquellen. Das Wort Mixto steht fast nie auf der Flasche. Erkennen kannst du so einen Tequila daran, dass die Angabe 100 % de agave fehlt. Ihr Fehlen ist hier die eigentliche Information.
Viele Menschen erzählen von schlechten Erfahrungen mit Tequila. Der Mixto liegt als Verdächtiger nahe. Belegt ist das nicht. Wer bisher nur solche Flaschen im Glas hatte, sollte trotzdem einmal einen Tequila mit 100 Prozent Agave probieren. Erst danach lohnt sich ein Urteil über die ganze Kategorie.
Für den eigenen Einsatz vergleichen
Am meisten lernst du nebeneinander. Nimm kleine Mengen Blanco und Reposado aus derselben Produktlinie, möglichst bei ähnlicher Stärke. Alles andere bleibt dabei gleich. So siehst du sehr genau, was das Fass verändert hat.
Im Cocktail bleibst du am Anfang bei dem Stil, den das Rezept nennt. Ein stark fassbetonter Tequila verschiebt die Balance. Zitrus und Bitterkeit wirken dann anders als vorgesehen. Salz und Zitrone als Ritual brauchst du nicht. Das gehört zu einer bestimmten Trinkweise, nicht zum Tequila selbst.
Die Reifezeiten wirken kurz, sobald du sie mit Whisky vergleichst. Zwei Monate reichen hier für einen Reposado. Das liegt am Klima: In der Wärme Jaliscos arbeitet ein Fass schneller als in einem kühlen Lagerhaus. Eine Zahl allein sagt deshalb wenig. Die Kategorie sagt mehr.