Die kurze Antwort
Pur getrunken zeigt ein Rum, was in ihm steckt: das Zuckerrohr, die Gärung und das Fass. Farbe und Altersangabe helfen dir dabei kaum weiter. Ein dunkler Rum muss weder alt noch süß sein. Am meisten lernst du mit einer kleinen Probe, einem Glas mit enger Öffnung und etwas Ruhe.

Klein anfangen, genau hinsehen
Such dir eine Flasche, bei der Herkunft, Alkoholstärke und Herstellung angegeben sind. Diese Angaben sind dein Bezugspunkt für alles Weitere. Ein heller Rum kann sehr kräftig duften. Ein dunkler Rum ist nicht automatisch alt, denn die Farbe kann auch aus dem Fass oder aus Zusätzen kommen.
Zwei Fragen gehören zusammen und meinen doch Verschiedenes. Wie süß wirkt der Rum auf der Zunge? Und hat jemand Zucker zugesetzt? Ein Rum kann süß wirken, ohne dass etwas zugesetzt wurde. Ist dir ein ungesüßter Stil wichtig, frag im Laden ausdrücklich danach.
Zwei bis drei Zentiliter reichen völlig. Ein großzügig gefülltes Glas verleitet zum Trinken statt zum Riechen. Der erste Eindruck ist ohnehin der wichtigste. Nach einigen Minuten gewöhnt sich die Nase an den Alkohol und meldet weniger.
Glas und Temperatur
Nimm ein kleines Glas, das sich nach oben verengt. Eine Tulpenform oder ein Weinglas sammelt den Duft über der Flüssigkeit. Ein breites, gerades Glas lässt ihn entweichen.
Beginne bei kühler Raumtemperatur. Halte die Nase zuerst mit Abstand über das Glas und geh dann langsam näher heran. Sehr kalter Rum riecht deutlich schwächer, weil die Kälte die Aromen zurückhält.
Eis macht zwei Dinge auf einmal: Es kühlt, und es verdünnt. Beurteile beides getrennt. Probier den Rum zuerst pur und gib das Eis in eine zweite Probe. Danach weißt du, welche Veränderung woher kommt.

Frucht, Gewürze und Mundgefühl beschreiben
Achte beim Riechen auf wenige Richtungen. Frische oder reife Frucht? Pflanzliche Noten, etwa nach Gras oder Zuckerrohr? Vanille, Holz, Gewürze? Kein Rum zeigt alle diese Eindrücke auf einmal, und das muss er auch nicht.
Ein kräftiger Gärungscharakter kann gewollt sein. Er entsteht vor der Reifung im Fass und hat mit dem Holz nichts zu tun. Verwechsle ihn deshalb nicht mit Fassreife.
Das Mundgefühl ist die unterschätzte Beobachtung. Läuft der Rum ölig über die Zunge oder wirkt er dünn? Fühlt er sich trocken an oder süßlich? Damit sagst du über den Stil oft mehr als mit jeder Aromaliste. Und du brauchst dafür keine Fachwörter, die du erst lernen musst.
Wann Wasser hilft
Bei kräftigen Abfüllungen lohnen sich wenige Tropfen stilles Wasser. Der Alkohol tritt zurück, andere Noten kommen nach vorn. Gieß nicht gleich viel hinein. Ein paar Tropfen, kurz warten, noch einmal riechen.
Notiere, was sich verändert hat. Manche Rums öffnen sich dadurch deutlich, andere wirken danach flach. Beides sagt dir etwas über die Flasche.
Schmeckt dir ein Rum pur nicht, ist das kein Urteil über die Abfüllung. Im passenden Cocktail kann dieselbe Flasche sehr gut funktionieren. Pur zu trinken ist eine Methode zum Kennenlernen und keine höhere Stufe des Genießens.
Zwei Proben nebeneinander
Ein einzelner Rum sagt wenig. Zwei nebeneinander sagen viel. Nimm einen aus Melasse und einen aus Zuckerrohrsaft. Oder einen jungen und einen gereiften. Wichtig sind gleiche Menge, gleiche Gläser und gleiche Temperatur.
Wechsle beim Riechen zwischen den beiden Gläsern hin und her. Bewerte sie nicht einzeln nacheinander. Der Geruchssinn ist gut im Vergleichen und schwach im absoluten Einordnen.
Genau deshalb funktioniert diese Anordnung besser als zwei Abende hintereinander. Der Unterschied fällt dir sofort auf. Du musst ihn kaum noch in Worte fassen, um ihn zu erkennen.