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Kurz erklärt · 4 Minuten Lesezeit

Viognier: duftiger Weißwein mit Fülle

Viognier kennenlernen: häufig aromatisch und eher weich im Säureeindruck, aber nicht automatisch leicht.

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Die kurze Antwort

Viognier ist eine weiße Rebsorte. Ihre Weine duften kräftig und füllen den Mund gut aus. Viele riechen Blüten und reife Früchte. Die Säure wirkt dabei mild. Das heißt aber nicht, dass wenig Alkohol im Glas ist.

Viognier: duftiger Weißwein mit Fülle — Motiv zum Thema Rebsorten

Viognier ist kräftiger als die meisten Weißweine

Viognier ist vor allem mit der Rhône verbunden. Viele dieser Weine haben einen kräftigen Körper und wenig spürbare Säure. Der genaue Stil unterscheidet sich trotzdem von Flasche zu Flasche.

Wer mild mit leicht gleichsetzt, sollte genauer nachfragen. Ein Wein kann weich wirken und trotzdem sehr kräftig sein. Diese Unterscheidung bringt dir beim Einkauf mehr als eine lange Liste von Duftnoten.

Säure und Gewicht sind zwei verschiedene Dinge. Im Gespräch rutschen sie oft zusammen. Die Säure entscheidet, wie frisch und wie zupackend ein Wein ankommt. Das Gewicht hängt eher am Alkohol und an den gelösten Stoffen im Wein. Bei Viognier laufen beide häufig auseinander: wenig Zug, viel Substanz. Genau deshalb überrascht die Sorte alle, die milde Weine für harmlos halten.

Der Duft führt zusätzlich in die Irre. Blumige und fruchtige Noten wirken einladend und leicht. Über das Gewicht im Mund sagen sie nichts. Nimm den ersten Eindruck in der Nase also zur Kenntnis und warte ab, was nach dem Schluck passiert. Bleibt Wärme im Rachen und ein breites Gefühl auf der Zunge, hast du einen kräftigen Wein vor dir.

Fülle bewusst auswählen

Suchst du einen duftigen Wein zu einem cremigen Gericht, ist Viognier eine gute Richtung. Bei scharfem Essen denkst du besser an Alkohol und Würzung. Dem intensiven Duft allein solltest du dort nicht folgen.

Probier ihn bei Gelegenheit neben einem Weißburgunder oder einem frischen Riesling. Frag dich dabei nicht nach der richtigen Frucht, sondern nach dem Unterschied im Mund: breiter, leichter, frischer, wärmer? Solche Wörter bringen dich schnell zu einer eigenen Entscheidung. Gefällt dir die Richtung, such danach gezielt nach einer ähnlichen Fülle.

Zum Essen suchst du keine Übereinstimmung, sondern Halt. Ein cremiges Gericht bringt selbst schon Fülle mit. Ein fülliger Wein legt sich daneben und trägt mit. Bei Schärfe ist es anders. Alkoholwärme und Chilibrennen verstärken sich gegenseitig, und der schöne Duft nützt dir dann wenig. Probier den Wein im Zweifel kurz für sich allein, bevor das Essen kommt.

Der Vergleich mit zwei anderen Weißweinen gelingt am besten, sobald alle Gläser gleichzeitig auf dem Tisch stehen. Nacheinander getrunken gleicht der Gaumen zu viel aus. Kleine Mengen reichen völlig. Notiere dir in zwei oder drei Wörtern, was dir auffällt. Schau die Notiz beim nächsten Einkauf an. Nach ein paar Durchgängen weißt du, welche Art von Fülle dir liegt.

Rebsorten: Fülle bewusst auswählen

So findest du einen Viognier, der dir schmeckt

Die folgenden vier Schritte halten dich davon ab, allein nach dem Etikett zu entscheiden.

Ist im Laden niemand zum Fragen da, bleiben dir das Rückenetikett und die Alkoholangabe. Beides sagt dir mehr über das Gewicht des Weins als jede Aufzählung von Aromen. Und ist dir eine Flasche zu kräftig geraten, nimm beim nächsten Mal dieselbe Sorte von einem anderen Erzeuger. Der Stilunterschied zwischen zwei Weinen derselben Rebsorte ist oft größer, als viele erwarten.

So findest du einen Viognier, der dir schmeckt
SchrittKonkrete Frage oder Handlung
Im GesprächWie füllig ist der Wein, wie wirkt die Säure?
Auf dem EtikettMilde Säurewirkung sagt nichts Sicheres über den Alkoholgehalt.
Beim ProbierenIst mir die Fülle angenehm oder zu viel?
Dein VergleichAlkoholangabe lesen und eine kleine Probe zum Anlass testen.

Viel Duft heißt nicht viel Restzucker

Wenig Säure wird gern mit süß verwechselt. Ein Wein kann trocken ausgebaut sein und trotzdem weich schmecken, weil ihm der Zug der Säure fehlt. Umgekehrt kann ein Wein mit Restsüße frisch wirken, sobald genug Säure dagegenhält. Wer diese beiden Dinge auseinanderhält, beschreibt Weine treffender. Er greift im Regal auch seltener zur falschen Flasche.

Das zweite Missverständnis betrifft den Duft. Ein intensiv duftender Wein gilt schnell als besonders gut. Ob er im Mund ausgewogen ist und wie lange sein Geschmack bleibt, verrät die Nase aber nicht. Manche Weine riechen beeindruckend und fallen im Mund ab. Halte den Geruch beim Probieren darum bewusst kurz. Achte lieber darauf, was nach dem Schlucken übrig bleibt.

Zu Hause richtig einschenken

Fülle reagiert empfindlich auf die Temperatur. Zu kalt aus dem Kühlschrank verschließt sich der Duft. Übrig bleibt dann vor allem das Gewicht. Wird der Wein im Glas zu warm, drängt sich der Alkohol nach vorn und die weiche Art kippt ins Schwere. Schenk am besten kühl ein und lass das Glas ein paar Minuten stehen. Der Wein verändert sich dabei spürbar, ganz ohne dein Zutun.

Die Glasgröße hilft ebenfalls. Ein etwas bauchigeres Glas gibt dem Duft Platz. Die Fülle wirkt darin weniger massiv. Schenk nicht zu hoch ein. Trinkst du die Flasche über zwei Abende, achte am zweiten Abend genau auf Duft und Gewicht. Solche Beobachtungen bringen dich weiter als jede Aromenliste auf dem Etikett.

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