Die kurze Antwort
Die Farbe allein verrät weder Alter noch Qualität. Fasslagerung, Filtration und unter Umständen auch eine Färbung bestimmen mit, wie ein Rum im Glas aussieht.

Die naheliegende Schlussfolgerung stimmt nicht immer
Ein heller Rum kann im Fass gelegen haben und danach gefiltert worden sein. Eine dunkle Farbe beweist umgekehrt keine lange Reifung. Filtration und Karamellfarbe sind die beiden Gründe, warum die Einteilung nach Farbe zu kurz greift.
Filtration erklärt, warum ein gereifter Rum hell im Glas steht: Sie nimmt ihm die Farbe, die er im Fass aufgenommen hat. Umgekehrt darf in vielen Ländern Zuckerkulör zugesetzt werden, ein Farbstoff aus Zucker. Er vertieft die Farbe, ohne dass der Rum länger gelegen hätte. Beide Eingriffe sind üblich und stehen selten auf dem Etikett.
Was du in der Farbe siehst, ist also das Ergebnis mehrerer Entscheidungen. Die meisten davon fallen erst nach der Reifung. Als Hinweis auf das, was dich im Glas erwartet, taugt die Farbe ungefähr so gut wie die Form der Flasche.
Farbwörter wie gold oder dunkel beschreiben zudem nur das Aussehen. Über Rohstoff, Brennerei oder Fass sagen sie nichts. Genau diese drei Angaben entscheiden aber darüber, ob dir eine Flasche schmeckt.
Besser nach dem Ziel fragen als nach der Farbe
Im Cocktail zählen der geforderte Stil und die Stärke, nicht der dunkelste Rum im Regal. Beim puren Probieren sind Rohstoff, Brennerei und Fassangaben interessanter.
Ein hilfreicher Vergleich besteht aus zwei hellen Rums mit bewusst verschiedenen Stilbeschreibungen. Damit prüfst du, wie wenig die Farbe allein sagt. Halte fest, ob einer zurückhaltend und der andere deutlich fruchtig oder kräftig wirkt. Diese Beobachtung ist mehr wert als der Versuch, aus jedem Farbton ein Alter abzulesen.
Im Laden hilft eine einzige Frage weiter: Wofür brauchst du die Flasche? Aus der Antwort ergibt sich der Stil, und aus dem Stil ergibt sich die Auswahl. Die Farbe kommt dabei gar nicht vor. Notiere dir die Empfehlung, die du bekommst. Beim nächsten Einkauf weißt du dann, welcher Stil für welchen Zweck genannt wurde.

Was du aus der Rumfarbe nicht ablesen kannst
Drei Fragen, die viele an der Farbe ablesen wollen, und die Angaben, die sie wirklich beantworten. Die meisten davon findest du auf demselben Etikett.
| Die Farbe beantwortet nicht sicher … | Stattdessen prüfen … |
|---|---|
| Wie lange der Rum gereift ist | Konkrete Reifeangaben |
| Wie süß der Rum ist | Herstellerangaben und sensorischen Eindruck |
| Ob er zum Rezept passt | Den ausdrücklich verlangten Rumstil |
Der Versuch, der es zeigt
Stell zwei helle Rums nebeneinander, deren Stilbeschreibungen deutlich auseinanderliegen: einen als leicht beschriebenen und einen als kräftig oder aromatisch angekündigten. Schenk beide in gleiche Gläser, gleich viel und bei gleicher Temperatur. Schmecken zwei Flaschen mit derselben Farbe so verschieden, hat sich die Frage nach dem Farbton erledigt.
Notier dir nach jedem Schluck ein einziges Wort. Mehr braucht es nicht, und mehr schreibt ohnehin niemand auf. Beim nächsten Einkauf hast du damit eine eigene Beschreibung in der Hand. Eine Farbkategorie sagt dir dagegen nichts.
Der Versuch funktioniert auch andersherum. Nimm zwei dunkle Rums mit deutlich verschiedenen Stilbeschreibungen. Auch zwischen diesen beiden Gläsern liegt mehr, als der gemeinsame Farbton ahnen lässt.