Die kurze Antwort
Rum entsteht aus Zuckerrohr. Meist werden Melasse oder Zuckerrohrsaft vergoren und anschließend gebrannt. Herstellung und Reifung führen zu sehr unterschiedlichen Stilen.

Ein Rohstoff, viele Entscheidungen
Melasse fällt bei der Zuckerherstellung an. Zuckerrohrsaft ist ein anderer Ausgangspunkt. Dazu kommen Gärung, Brennverfahren und eine mögliche Lagerung im Fass. Rum ist deshalb keine einheitlich süße oder braune Spirituose.
Melasse ist ein Nebenprodukt. Sie bleibt übrig, wenn aus Zuckerrohr Kristallzucker gewonnen wird. Zuckerrohrsaft dagegen ist der frisch gepresste Saft der Pflanze. Beide lassen sich vergären und brennen, und beide bringen einen eigenen Charakter mit. Hier trennen sich zwei Rums schon, bevor überhaupt ein Fass ins Spiel kommt.
Danach folgen weitere Weichenstellungen. Wie lange die Gärung läuft, welche Hefen arbeiten, ob eine Brennblase oder eine Kolonne benutzt wird: Jede Entscheidung prägt das Ergebnis. Brennblase und Kolonne sind dabei zwei verschiedene Bauarten von Brennapparaten. Zwei Rums aus derselben Region schmecken deshalb nicht zwangsläufig ähnlich. Wer Rum für eine einzige Geschmacksrichtung hält, sucht an der falschen Stelle nach seinem Lieblingsstil.
Was beim Einkauf mehr hilft als Farbe
Frag nach Rohstoff, Herkunft, Stärke und einer Stilbeschreibung. Willst du den Rum pur probieren, sag das dazu. Im Cocktail zählen womöglich ganz andere Eigenschaften.
Fang mit zwei kleinen, bewusst verschiedenen Proben an: einer ausdrücklich leichten und einer deutlich aromatischen. Beschreibe zunächst nur, welcher Eindruck dir gefällt. Eine dunkle Flasche muss nicht älter oder besser sein. Ein heller Rum ist nicht automatisch zurückhaltend. Mit konkreten Notizen kommst du schneller weiter als mit den Schubladen weiß und braun.
Die Stärke steht immer auf dem Etikett und verrät mehr, als viele erwarten. Ein Rum mit höherer Stärke wirkt meist intensiver und verträgt im Glas ein paar Tropfen Wasser. Einer mit geringerer Stärke ist auf Anhieb zugänglicher. Als erste Orientierung taugt das gut, und es kostet dich einen einzigen Blick.

Woran du im Laden ansetzt
Vier Angaben stehen auf fast jeder Flasche: Rohstoff, Herkunft, Stärke und eine Stilbeschreibung. Zusammen beantworten sie die wichtigsten Fragen. Findest du nur den Markennamen und ein Alter, ist die Flasche deshalb nicht schlechter. Sie sagt dir bloß weniger über das, was dich erwartet.
Sag im Gespräch, wofür du den Rum brauchst. Ein Daiquiri führt zu einer anderen Empfehlung als ein ruhiger Abend am Glas. Beide Angaben sind leichter zu beantworten als die Frage nach einem guten Rum. Nenn ruhig auch dein Budget. Es grenzt die Auswahl ein, ohne dich auf einen Stil festzulegen.
Farbe sagt beim Rum wenig
Rum ist keine Zuckerspirituose. Der Zucker aus dem Rohstoff wird bei der Gärung zu Alkohol. Was im fertigen Getränk süß wirkt, kann aus der Fassreifung stammen oder nachträglich zugesetzt worden sein. Ein Rum, der nach Vanille und Karamell duftet, muss deshalb nicht süß schmecken.
Auch der Ursprungsort erklärt weniger, als es scheint. Karibische Länder haben erkennbare Traditionen. Innerhalb einer Insel arbeiten die Brennereien aber sehr unterschiedlich. Die Herkunft ist eine Information und keine Geschmacksgarantie. Den eigenen Schluck ersetzt sie nicht.