Die kurze Antwort
Bei einem deutschen Hefeweizen entstehen die Eindrücke von Banane und Nelke durch die Hefe und die Gärung. Zugesetzt wird dafür nichts. Im Glas ist also kein Fruchtaroma und kein Gewürz, sondern Bier, das genau so riecht.

Weizen ist nicht nur eine Geschmacksnote
Weizen wird neben Gerste eingesetzt. Er verändert vor allem zwei Dinge: das Mundgefühl und den Schaum.
Weizen enthält mehr Eiweiß als Gerste, und dieses Eiweiß stabilisiert den Schaum. Daher die dichte, lange stehende Schaumkrone, die viele mit Weizenbier verbinden. Sie kommt vom Getreide, nicht vom Einschenken.
Die Trübung hat einen anderen Grund. Sie stammt von der Hefe, die im Bier bleibt. Beim Einschenken schwenkt man sie am Ende vorsichtig auf und gibt sie mit ins Glas.
Wer sie in der Flasche lässt, bekommt ein klareres und deutlich zurückhaltenderes Bier. Derselbe Inhalt, ein anderer Eindruck. Das kannst du mit einer einzigen Flasche ausprobieren: erst die klare Hälfte einschenken, dann den Rest mit der Hefe.
Je nach Stil und Filtration erscheinen Weizenbiere trüb oder klar. Hefeweizen ist dabei nur ein Teil der größeren Weizenbierfamilie.
Hefeweizen, Kristall und andere Stile
Eine klare Variante ist nicht grundsätzlich schlechter als eine trübe. Sie ist anders, und mancher mag sie genau deswegen.
Ein belgisches Witbier ist ebenfalls kein deutsches Weißbier mit anderem Namen. Lies die genaue Bezeichnung und, wo vorhanden, die Zutatenliste.
Banane und Nelke sind übrigens keine Beschreibung nach Gefühl. Es sind benennbare Stoffe, die die Hefe bei der Gärung bildet. Wie viel davon entsteht, steuert die Brauerei über Temperatur und Führung.
Deshalb schmecken zwei Hefeweizen so unterschiedlich, obwohl beide nur Malz, Hopfen, Hefe und Wasser enthalten. Das eine wirkt fruchtiger, das andere würziger. Falsch gemacht ist keines von beiden.
Interessiert dich der Duft, rieche vor dem ersten Schluck ins Glas. Notiere danach, ob du eher Frucht oder Gewürz wahrnimmst. Die Begriffe Banane und Nelke sind Hilfen, keine Pflichtantworten.
Folge beim Einschenken den Hinweisen des Herstellers, besonders wenn sich Hefe am Flaschenboden abgesetzt hat. Nimm außerdem ein sauber ausgespültes Glas. Ein Glas, das nach Spülmittel riecht, macht den Vergleich unnötig schwer.
