Die kurze Antwort
Für ein Tasting zu Hause brauchst du wenig: ein paar kleine Proben, gleiche Gläser, stilles Wasser und eine Frage, die du beantworten willst. Alles andere ist Beiwerk.

Eine Frage reicht für einen Abend
Zum Beispiel: Wie schmeckt derselbe Whisky aus zwei verschiedenen Fässern? Oder: rauchig gegen nicht rauchig? Oder: Malt gegen Blend? Nimm am Anfang ähnliche Alkoholstärken. Wenn Herkunft, Stärke, Alter und Fass gleichzeitig anders sind, kannst du hinterher nicht sagen, woran der Unterschied lag. Zwei oder drei Proben reichen für einen ersten Abend völlig.
Mehr als drei bis vier Proben sind keine gute Idee. Danach lässt die Nase nach, und die letzten Gläser bekommen ein ungerechtes Urteil. Lieber zwei Paare an zwei Abenden als sechs Gläser an einem.
Gleiche Gläser, Nummern statt Namen
Stell gleiche, geruchsfreie Gläser hin, dazu Wasser und etwas Neutrales zum Essen, zum Beispiel Brot oder ungesalzene Nüsse. Verzichte kurz vorher auf Parfum und stark gewürztes Essen. Fang mit den leichteren Proben an; Rauch und kräftige Fasswürze kommen später. Das ist eine praktische Reihenfolge und keine Rangliste.
Nummeriere die Gläser, statt sie zu beschriften. Wer weiß, welche Flasche teurer war, schmeckt sie zuverlässig besser. Das ist keine Charakterschwäche, sondern normale Wahrnehmung. Verdeckt zu probieren kostet nichts und macht den Abend ehrlicher.

Erst riechen, dann kosten, dann nachspüren
Schreib nacheinander drei Dinge auf: wie es riecht, wie ein kleiner Schluck schmeckt, und was danach im Mund bleibt. Alltagswörter genügen — Apfel, Brotkruste, Pfeffer, Lagerfeuer. Schreib dazu, ob du es magst. Die Beschreibung des Herstellers liest du erst danach, sonst findest du genau das, was dort steht.
Und schreib auf, bevor du redest. Sobald einer „Vanille“ sagt, finden sie alle anderen auch. In einer Runde ist der erste ausgesprochene Eindruck der einflussreichste. Also erst notieren, dann vergleichen, dann reden.
Ein paar Tropfen Wasser — im zweiten Glas
Wenn du Wasser dazugeben willst, nimm ein zweites kleines Glas und nur ein paar Tropfen. So hast du den Vergleich und nicht bloß ein verändertes Glas. Halt fest, ob Frucht, Rauch oder die Schärfe des Alkohols anders wirken. Plan außerdem Pausen mit Wasser ein und stell etwas Alkoholfreies dazu. Niemand muss austrinken, und es geht an so einem Abend nicht darum, recht zu haben.