Die kurze Antwort
Ein tulpenförmiges Glas hilft beim konzentrierten Riechen. Der Tumbler bietet dagegen Platz für Eis und Cocktails. Welches Whiskyglas passt, hängt davon ab, was du mit dem Whisky vorhast.

Zum Riechen: ein Glas, das sich oben verengt
Ein Verkostungsglas hat ein bauchiges Unterteil und eine schmalere Öffnung. Der Bauch gibt dem Whisky Platz zum Schwenken. Die Verengung bündelt den Duft am Glasrand. Im offenen Glas verteilt er sich dagegen schnell im Raum. Ein kleines Weinglas erfüllt denselben Zweck. Halte die Nase zuerst etwas entfernt und nähere dich langsam. Bei hoher Alkoholstärke beißt der Dampf sonst in der Nase.
Die Menge zählt dabei mehr als das Modell. Zwei Zentiliter in einem Glas, das zwanzig fasst, geben dem Duft Raum zum Sammeln. Ein halbvolles Glas gibt ihn sofort an die Umgebung ab. Wer wenig einschenkt, braucht kein Sonderglas. Diese Erkenntnis kostet nichts und verbessert jede Verkostung.
Der Tumbler für Eis und Old Fashioned
Ein Tumbler ist breit, schwer und steht sicher. Er bietet Platz für große Eiswürfel und einen Löffel. Praktisch ist er deshalb bei Drinks, die direkt im Glas entstehen. Die breite Öffnung lässt den Duft allerdings entweichen. Bei einer gezielten Duftprobe ist das die schlechtere Ausgangslage. Ein universell richtiges Glas gibt es nicht, es kommt auf die Verwendung an. Große Eiswürfel schmelzen langsamer als kleine und verwässern den Drink weniger. Nur ein breites Glas nimmt sie überhaupt auf. Darin liegt der eigentliche Vorteil dieser Form.

Sauberkeit verändert mehr als das Logo
Spülmittelreste, Schrankgeruch oder ein stark duftendes Geschirrtuch stören jede Verkostung. Spüle das Glas gründlich mit klarem Wasser nach. Lass es danach an der Luft trocknen, damit kein Tuchgeruch hängen bleibt. Zwei Proben, die du vergleichen willst, gehören in gleiche Gläser mit gleicher Füllmenge. Sonst beurteilst du neben dem Whisky auch die unterschiedlichen Bedingungen.
Ein Test dauert eine Sekunde: Rieche am leeren Glas, bevor du einschenkst. Was dir dort auffällt, findest du später im Whisky wieder und schreibst es ihm fälschlich zu. Gläser, die lange im Schrank standen, riechen oft genau nach diesem Schrank. Kurzes Ausspülen behebt das meistens.
Was du nicht kaufen musst
Ein kompletter Satz Spezialgläser für jede Herkunft ist am Anfang überflüssig. Beginne mit einem kleinen Weinglas, das du ohnehin besitzt, und mit einem Tumbler. Damit deckst du beide Aufgaben ab. Gezielte Vergleiche machen dir später vielleicht Freude, dann kannst du identische Verkostungsgläser nachkaufen. Ein Markenname auf dem Glas ersetzt weder eine angenehme Handhabung noch deinen eigenen Eindruck. Wichtiger als der Hersteller ist, dass zwei Gläser wirklich gleich sind. Achte beim Nachkaufen eher auf Gewicht und Rand. Ein Glas, das gut in der Hand liegt, benutzt du öfter als eines mit schöner Verpackung.
Der Vergleich, der es entscheidet
Schenk denselben Whisky in ein tulpenförmiges Glas und in einen Tumbler. Gleiche Menge, beide nebeneinander. Rieche abwechselnd, erst am einen, dann am anderen. Der Unterschied ist meist so deutlich, dass sich die Frage nach dem richtigen Glas von selbst beantwortet. Kaufen musst du dafür nichts, ein kleines Weinglas tut es.
Bei Drinks mit Eis bleibt der Tumbler trotzdem die bessere Wahl. Die Frage lautet also nicht, welches Glas besser ist. Sie lautet, welches zu deinem Vorhaben passt.