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Kurz erklärt · 4 Minuten Lesezeit

Gewürztraminer: intensiver Duft, nicht zwingend süß

Rosenduft und Würze einordnen: Was Gewürztraminer besonders macht und wie du seine Süße prüfst.

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Die kurze Antwort

Gewürztraminer ist eine weiße Rebsorte mit sehr kräftigem Duft. Viele riechen Rosen, Litschi und eine würzige Note. Dieser starke Duft sagt aber nichts über den Zucker im Wein. Es gibt trockene und es gibt süße Gewürztraminer.

Gewürztraminer: intensiver Duft, nicht zwingend süß — Motiv zum Thema Rebsorten

Ein Wein mit lauter eigener Stimme

Gewürztraminer fällt schon im Glas auf, lange vor dem ersten Schluck. Der Duft ist laut. Die Sorte kommt in vielen Süßegraden und Ausbaustilen in die Flasche. Wer sonst frische, zurückhaltende Weißweine mag, erlebt hier einen starken Gegensatz.

Die Duftbeschreibung ist kein Zutatenverzeichnis. Niemand hat dem Wein Rosen oder Litschis zugesetzt. Solche Wörter benennen nur Ähnlichkeiten, die Menschen beim Riechen bemerken. Der Wein riecht ein bisschen so. Mehr steckt nicht dahinter.

Aromatisch nennt man eine Rebsorte, deren Duft sich nach vorn drängt. Viele erkennen Gewürztraminer deshalb schon am Glasrand. Über den Geschmack im Mund sagt das nichts. Die Nase nimmt Düfte wahr. Ob ein Wein süß oder trocken schmeckt, entscheidet dagegen die Zunge.

Dass starker Duft und Süße zusammengehören, ist eine Erwartung in unserem Kopf. Wir kennen diese Gerüche aus süßen Zusammenhängen und vermuten deshalb auch im Wein Zucker. Halte die Vermutung beim Schnuppern ruhig fest. Prüfe sie dann beim ersten Schluck. Oft verschiebt sich der Eindruck deutlich.

Vor dem Kauf die Süße klären

Frag getrennt nach Duft und nach Süße. Eine Flasche kann sehr intensiv riechen und trotzdem völlig trocken schmecken. Zu stark gewürztem Essen passt die Sorte oft gut. Die Angabe asiatische Küche hilft dabei allerdings kaum weiter. Nenne das Gericht und sag, wie scharf es ist.

Unsicher? Dann bestell den Wein im Restaurant erst einmal offen, also glasweise. Schreib dir auf, ob dir der Duft über mehrere Schlucke gefällt oder schnell zu viel wird. Beide Antworten sind in Ordnung. Das hat nichts mit guter oder schlechter Weinkenntnis zu tun.

Im Laden stellst du am besten zwei getrennte Fragen, denn sie verschmelzen leicht zu einer. Erste Frage: Ist der Wein trocken ausgebaut? Zweite Frage: Wie kräftig ist der Duft? Wer nur einen aromatischen Weißwein verlangt, bekommt eine Antwort, die beides vermischt. Die Süße findest du zusätzlich auf dem Etikett. Die Duftstärke steht dort nicht.

Beim Essen lohnt sich dieselbe Genauigkeit. Sag, ob das Gericht wirklich scharf ist oder nur kräftig gewürzt. Erwähne auch, ob in der Sauce Süße mitspielt. Ein mildes Curry und ein Gericht, das richtig brennt, brauchen nicht denselben Wein. Je genauer du das Essen beschreibst, desto brauchbarer fällt die Empfehlung aus.

Rebsorten: Vor dem Kauf die Süße klären

So findest du einen Gewürztraminer, der dir schmeckt

Diese vier Schritte zeigen dir, woran du Duftstärke und Süße unabhängig voneinander erkennst.

Du musst nicht jedes Mal alle vier Schritte gehen. Bei einer neuen Flasche helfen sie. Später reicht meist ein Blick auf die Süßeangabe und eine kurze Rückfrage. Notiere dir deine Antworten für zwei oder drei Flaschen. Danach weißt du ziemlich genau, welche Mischung aus Duftstärke und Süße dir liegt.

So findest du einen Gewürztraminer, der dir schmeckt
SchrittKonkrete Frage oder Handlung
Im GesprächWie süß ist diese konkrete Abfüllung?
Auf dem EtikettRosen- oder Litschiduft lässt sich nicht in Zucker umrechnen.
Beim ProbierenMag ich den ausgeprägten Duft über ein ganzes Glas hinweg?
Dein VergleichZunächst eine kleine Menge probieren statt allein nach dem ersten Duft zu kaufen.

Intensiver Duft heißt nicht süßer Wein

Das Wort Gewürz im Namen beschreibt einen Eindruck beim Riechen. Es steht weder für eine Zutat noch für Schärfe im Glas. Ein kräftiger Duft heißt auch nicht, dass der Wein besonders gut oder besonders süß wäre. Duftstärke ist eine Stilfrage. Du darfst sie mögen oder ablehnen, ganz ohne Begründung.

Das zweite Missverständnis betrifft die Geschmacksworte selbst. Nennt jemand Litschi und du denkst eher an Rosen, liegt keiner von euch falsch. Diese Begriffe sind Hilfsmittel für Ähnlichkeiten. Sie fallen je nach Erfahrung verschieden aus. Wichtiger als das richtige Wort ist eine andere Frage: Gefällt dir der Wein über ein ganzes Glas hinweg?

Gewürztraminer riechen und schmecken

Stell zwei Flaschen mit unterschiedlicher Süßeangabe nebeneinander. Schenk beide gleichzeitig ein. Rieche zuerst an beiden Gläsern und notiere, welchen Wein du für süßer hältst. Danach trinkst du. Die Lücke zwischen deiner Vermutung und dem Eindruck im Mund ist bei dieser Sorte der interessante Punkt.

Dann kommt das Essen dazu. Nimm von beiden Gläsern einen Schluck zum Gericht. Achte darauf, wie sich Schärfe und Süße verhalten. Trink danach weiter, nicht nur den einen Schluck. Manche Weine treffen es beim ersten Mal genau und wirken beim dritten Schluck zu parfümiert. Diese Beobachtung sagt dir mehr als jeder Text auf dem Rückenetikett.

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