Die kurze Antwort
Portwein ist ein verstärkter Wein aus dem Douro in Portugal. Verstärkt heißt: Während der Gärung kommt Alkohol dazu. Ruby, Tawny und Vintage sind die wichtigsten Stile dieser Kategorie. Nach dem Öffnen wollen sie unterschiedlich behandelt werden.

Warum Portwein häufig süß schmeckt
Wein entsteht, weil Hefen den Zucker der Trauben in Alkohol verwandeln. Beim Portwein greift der Erzeuger mitten in diesen Vorgang ein. Er gibt Weindestillat dazu. Der zugesetzte Alkohol tötet die Hefen, bevor sie fertig sind. Dieser Eingriff heißt Aufspriten.
Übrig bleibt der ungegorene Traubenzucker. Daher kommt die Süße, ohne dass jemand nachgezuckert hätte. Gleichzeitig steigt der Alkoholgehalt durch die Zugabe. Beides geht auf denselben Handgriff zurück.
Port ist damit weder ein gewöhnlicher Rotwein noch eine braune Spirituose. Die kleinen Gläser und der Ruf als Dessertbegleiter legen manchmal das Zweite nahe. Zur Kategorie gehören außerdem verschiedene Stile und Süßegrade.
Ruby und Tawny
Ruby-Stile stellen dunkle Frucht in den Vordergrund. Tawny-Stile erinnern eher an Nüsse, Trockenfrüchte und Gewürze. Der Unterschied entsteht nicht im Weinberg, sondern im Lagergefäß. Beide Namen beschreiben übrigens die Farbe: Ruby meint rubinrot, Tawny ein helles Gelbbraun.
Ruby reift in großen Behältern mit wenig Luftkontakt. So behält er seine dunkle Frucht. Tawny liegt in kleineren Fässern, wo mehr Sauerstoff an den Wein kommt. Genau diese Oxidation macht ihn heller, nussiger und weicher. Sie ist gewollt und kein Fehler.
Bei Tawny stehen häufig Altersangaben auf dem Etikett. Lies sie im Rahmen dieser Kategorie. Eine solche Angabe ist etwas anderes als ein Jahrgang, der ein bestimmtes Erntejahr nennt.
Möchtest du den Unterschied selbst schmecken, öffne einen Ruby und einen Tawny am selben Abend. Kleine Mengen genügen dafür. Der Sprung von dunkler Frucht zu Nuss ist so deutlich, dass du keine Übung brauchst.

Vintage und weitere Bezeichnungen
Vintage Port stammt aus einem einzigen Jahrgang. Er kann sich über lange Zeit in der Flasche weiterentwickeln. Dabei setzt sich oft ein Depot ab, also ein Bodensatz. Vorsichtiges Dekantieren trennt den Wein davon. Dekantieren heißt hier nur: langsam in ein anderes Gefäß umgießen.
Late Bottled Vintage folgt einem anderen Reifekonzept. Die Hinweise zur Filtration sind dabei wichtig. Sie sagen dir, ob mit Bodensatz zu rechnen ist. Prüfe deshalb immer die konkrete Abfüllung.
Diese Bezeichnungen sind keine Rangliste. Sie beschreiben, wo und wie lange der Wein gereift ist. Welcher Stil dir zusagt, entscheidet dein Geschmack. Teuer und selten heißt nicht, dass dir die Flasche am Abend mehr Freude macht.
Servieren und aufbewahren
Leicht gekühlt wirkt Port meist angenehmer als in einem warmen Raum. Verschließe die angebrochene Flasche gut und stelle sie kühl. Was der Hersteller zum jeweiligen Stil empfiehlt, hat Vorrang vor jeder allgemeinen Regel.
Beim Aufbewahren trennen sich die Stile deutlich. Ein Tawny hat seine oxidative Reifung hinter sich. Nach dem Öffnen hält er Wochen. Ein Vintage Port wurde jahrzehntelang von der Luft ferngehalten. Er sollte innerhalb weniger Tage getrunken werden. Dieselbe Kategorie, zwei völlig verschiedene Zeitfenster.
Trinkst du nur gelegentlich ein Glas, sind kleine Flaschen die bessere Wahl. Eine große Flasche steht sonst wochenlang angebrochen herum. Das schadet vor allem den empfindlichen Stilen.