Die kurze Antwort
Barbados, Kuba und Guyana haben jeweils eigene Rumtraditionen. Das Herkunftsland gibt dir einen ersten Hinweis auf den Stil, mehr aber nicht. Was wirklich im Glas landet, verraten dir die Brennerei, das Brennverfahren, die Reifung und die Zusammensetzung der Flasche.

Barbados: oft zwei Destillate in einer Flasche
Bei vielen Rums aus Barbados werden zwei Destillate gemischt. Sie stammen aus zwei verschiedenen Brennapparaten, der Pot Still und der Column Still.
Die beiden Geräte haben unterschiedliche Aufgaben. Eine Pot Still arbeitet in einzelnen Chargen und lässt mehr vom Ausgangsmaterial durch. Der Rum wird dadurch kräftiger und schwerer. Eine Column Still läuft durchgehend und liefert leichtere, reinere Destillate.
Wer beide mischt, verbindet Körper und Zugänglichkeit. Darin liegt der Kern des barbadischen Stils. Frucht, Körper und Fassnoten kommen so in einer Flasche zusammen.
Ein einheitlicher Geschmack aller Marken folgt daraus trotzdem nicht. Prüf, ob die Abfüllung nachvollziehbare Angaben zu Brennerei und Reifung trägt. Schau außerdem nach, ob Zusätze genannt werden.
Kuba: leichte Stile und gereifte Blends
Die kubanische Tradition steht für kontinuierliche Destillation und für das Verschneiden gereifter Komponenten. Verschneiden heißt, dass mehrere Rums zu einem zusammengeführt werden. Der Blender entscheidet dabei über den fertigen Geschmack.
Ein heller Cocktailrum und ein länger gereifter Blend erfüllen zwei verschiedene Aufgaben. Der eine tritt hinter Limette und Zucker zurück, der andere soll pur bestehen. Kauf deshalb nach dem geplanten Drink oder nach einer konkreten Geschmacksbeschreibung.
Eine helle Farbe heißt nicht, dass ein Rum ungereift ist. Eine Filtration kann die Farbe nachträglich verändern. Im Glas siehst du also nicht, wie lange der Rum im Fass lag.
Daraus folgt eine praktische Regel für den Einkauf. Für einen Drink mit viel Limette und Zucker muss der Rum vor allem sauber dazu passen. Eine lange gereifte Flasche hebst du dir besser für den Abend auf, an dem du sie pur probierst.

Guyana: Demerara ist mehr als dunkle Farbe
Demerara verweist auf eine Herkunft und eine Tradition in Guyana. Der Name stammt vom Fluss und von der Region, nicht von der Farbe. Demerara-Zucker ist etwas anderes. Dass dem fertigen Rum solcher Zucker zugesetzt wurde, sagt der Name nicht.
Eine Besonderheit ist dort das Gerät. In Guyana stehen historische Holzbrennapparate, die es sonst nirgends mehr gibt. Sie geben den Destillaten einen eigenen, oft rauchig-würzigen Charakter.
Verschiedene Brennapparate und Mischungen führen zu verschiedenen Profilen. Kräftige Melasse- und Fassnoten sind ein mögliches Ergebnis. Eine Garantie für jede einzelne Flasche sind sie nicht.
Dunkel und süß sind dabei zwei verschiedene Eigenschaften. Ein Rum kann tiefbraun aussehen und trocken schmecken. Auch hier bringen dich nur die Angaben des Herstellers oder eine kleine Probe weiter.
Ein sinnvoller Vergleich
Für einen fairen Vergleich brauchst du ähnliche Alkoholstärken. Sonst vergleichst du vor allem die Stärke und nicht den Stil. Probier zuerst pur und in kleinen Mengen.
Notiere zu jeder Probe vier Punkte: Frucht, Holz, Würze und Süßeeindruck. Vier Stichworte genügen völlig. Erst danach lohnt sich der Einsatz im selben Cocktail, denn dort überlagern andere Zutaten die feinen Unterschiede.
Nimm für den ersten Durchgang je eine Abfüllung, die als typisch beschrieben wird. Ausreißer sind interessant, verzerren aber das Bild einer Herkunft. Und um die Herkunft geht es bei diesem Vergleich.
So erkennst du, welche konkrete Flasche dir zusagt. Eine Rangliste ganzer Länder lässt sich aus drei Proben ohnehin nicht ableiten. Dafür sind die Unterschiede innerhalb jedes Landes zu groß.