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Kurz erklärt · 4 Minuten Lesezeit

Scheurebe: Cassisduft im Weißwein

Die aromatische Rebsorte Scheurebe verstehen: Herkunft, Süßegrade und die Frage, warum Weißwein nach dunklen Beeren riechen kann.

Stand:

Die kurze Antwort

Scheurebe ist eine weiße Rebsorte mit kräftigem Duft. Viele riechen schwarze Johannisbeere, Zitrusfrucht oder exotische Früchte. Den Wein gibt es trocken und mit spürbarer Süße. Der Duft verrät dir nicht, welche der beiden Flaschen du gerade in der Hand hältst.

Scheurebe: Cassisduft im Weißwein — Motiv zum Thema Rebsorten

Was hinter dem Namen steckt

Zwei Dinge verwirren an dieser Sorte am meisten: ihr Stammbaum und ihr Duft. Beides lässt sich in wenigen Sätzen klären.

Georg Scheu züchtete die Sorte 1916. Als Eltern gelten heute Riesling und Bukettrebe. Die ältere Annahme Riesling und Silvaner ist überholt. Damit hat die Scheurebe eine eigene Herkunft. Zusammengemischt wurde hier nichts.

Ein Cassisduft heißt bei einem Weißwein nicht, dass jemand Johannisbeersaft dazugegeben hat. Duftbegriffe beschreiben nur Ähnlichkeiten. Die Farbe einer Frucht muss nicht zur Farbe des Weins passen.

Züchten heißt hier: Zwei Sorten wurden gezielt gekreuzt. Aus den Nachkommen wählte man eine aus und vermehrte sie weiter. Die alte Angabe Riesling und Silvaner steht trotzdem noch in älteren Büchern und gelegentlich auf Rückenetiketten. Am Wein im Glas ändert die Korrektur nichts. Sie ordnet die Sorte nur richtig ein.

Duftvergleiche sind Verständigungshilfen, keine Zutatenlisten. Riechst du schwarze Johannisbeere, hat dein Geruchssinn eine Ähnlichkeit gefunden. Mehr steckt nicht dahinter. Jemand neben dir nennt vielleicht Grapefruit oder exotische Frucht. Beide Beschreibungen können denselben Wein meinen. Dass eine dunkle Beere in einem hellen Wein auftaucht, ist deshalb kein Widerspruch.

Süße nicht am Duft erraten

Wer die Scheurebe wegen ihres Duftes wählt, sollte die Süße getrennt prüfen. Bei aromatischen Weinen liegt ein Gedanke nahe: riecht süß, schmeckt süß. Genau dieser Gedanke führt oft zur Enttäuschung.

Eine gute Bestellung klingt etwa so: Ich mag kräftige Frucht, aber keine deutliche Süße. Haben Sie eine trockene Scheurebe in dieser Richtung? Umgekehrt darfst du genauso deutlich nach einer süßeren Variante fragen. Notiere beim ersten Vergleich drei Dinge getrennt: Duft, Süße und Frische. Dann bleibt dir mehr in Erinnerung als das eine Wort intensiv.

Der Duft entsteht in der Nase. Die Süße bemerkst du erst auf der Zunge. Beides kann weit auseinanderliegen. Ein Wein mit kräftiger Frucht in der Nase darf im Mund trocken und frisch sein. Umgekehrt kann ein leiser Duft eine deutliche Süße verdecken. Wer sich nur auf den ersten Eindruck verlässt, greift bei aromatischen Sorten öfter daneben.

Für die Notizen reichen drei kurze Zeilen pro Wein. Erste Zeile: was du riechst. Zweite Zeile: wie süß es sich anfühlt. Dritte Zeile: wie frisch und lebendig der Wein wirkt. Nach zwei oder drei Flaschen liest du aus den eigenen Zeilen heraus, welche Kombination dir liegt. Ein pauschales Urteil hilft beim nächsten Einkauf wenig.

Rebsorten: Süße nicht am Duft erraten

So findest du einen Scheurebe, der dir schmeckt

Die folgenden vier Schritte führen vom Etikett bis zum Gespräch an der Theke. Der wichtigste davon ist die Süße.

Diese Schritte funktionieren auch ohne Beratung im Regal. Dann übernimmt das Etikett die Rolle des Gegenübers: Sortenname, Geschmacksrichtung, Herkunft. Was dort fehlt, lässt du offen und prüfst es beim Öffnen. Wichtiger als die perfekte Wahl ist eine andere Sache. Du solltest hinterher wissen, welche Angabe zu welchem Eindruck geführt hat.

So findest du einen Scheurebe, der dir schmeckt
SchrittKonkrete Frage oder Handlung
Im GesprächTrocken oder mit spürbarer Süße?
Auf dem EtikettCassisduft bedeutet weder Rotwein noch automatisch Süße.
Beim ProbierenIst der ausgeprägte Duft für meinen Anlass passend?
Dein VergleichEine Probe zuerst riechen, dann Süße und Frische getrennt notieren.

Woher Scheurebe wirklich stammt

Das hartnäckigste Missverständnis betrifft den Cassisduft. Die schwarze Johannisbeere ist dunkel, der Wein ist hell. Also vermuten viele, da sei etwas zugesetzt worden. Duftbegriffe beschreiben aber nur Ähnlichkeiten, die dein Geruchssinn erkennt. In der Traube hängen Farbe und Aroma nicht zusammen. Ein heller Wein darf nach dunklen Beeren riechen, ganz ohne Saft im Spiel.

Das zweite Missverständnis: Starker Duft bedeute automatisch Süße. Eine Scheurebe kann trocken ausgebaut sein und trotzdem kräftig duften. Wer einmal eine süßere Flasche getrunken hat und die Sorte danach für grundsätzlich süß hält, verpasst die trockene Seite. Frag im Zweifel nach, statt vom Duft auf den Geschmack zu schließen.

Und die Elternfrage: Riesling und Silvaner liest man noch oft. Richtig sind Riesling und Bukettrebe. Die Sorte hat eine eigene Herkunft. Eine nachträgliche Mischung im Keller ist sie nicht.

Scheurebe neben einem Riesling

Nimm für den Vergleich zwei Scheureben mit unterschiedlicher Süße. Beide gleich kühl, beide im gleichen Glas. Rieche zuerst an beiden, ohne zu trinken, und schreib auf, was dir einfällt. Danach trinkst du, erst den trockeneren Wein, dann den süßeren. Andersherum überdeckt die Süße den zweiten Eindruck. So merkst du, wie wenig der Duft über den Geschmack verrät.

Achte beim Trinken getrennt auf Süße und Frische. Manchmal wirkt ein Wein weniger süß, als er ist, weil er sehr lebendig schmeckt. Dein Mund verrechnet die beiden miteinander. Deshalb gehen die Angabe auf dem Etikett und dein eigener Eindruck manchmal auseinander. Schreib beides auf. Dann hast du beim nächsten Einkauf eine Grundlage.

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