Die kurze Antwort
Bei schwarzem Tee prägt die Oxidation während der Verarbeitung den Stil. In deiner Tasse zählen danach vor allem die konkrete Sorte, die Blattmenge, die Wassertemperatur und die Ziehzeit.

Was bei der Herstellung passiert
Nach der Ernte welken die Blätter zuerst. Danach werden sie bearbeitet und oxidieren, bevor man sie trocknet. Die UK Tea & Infusions Association beschreibt genau diese Schritte.
Welken heißt dabei nur: Die frisch gepflückten Blätter verlieren Wasser und werden weich. Dieser Schritt steht ganz am Anfang, noch vor jeder Bearbeitung.
Oxidation meint hier: Stoffe im Blatt reagieren mit dem Sauerstoff aus der Luft. Farbe und Geschmack verändern sich dabei. Beim schwarzen Tee lässt man diesen Vorgang bewusst durchlaufen.
Mit der Gärung beim Wein hat das nichts zu tun. Dort machen Hefen aus Zucker Alkohol. Im Tee ist weder Hefe noch Alkohol im Spiel. Zwei sehr verschiedene Vorgänge tragen also im Alltag manchmal dasselbe Wort.
In China heißt schwarzer Tee übrigens roter Tee. Der Name zielt auf die Farbe des Aufgusses und nicht auf die des Blattes. Was dort schwarzer Tee genannt wird, ist eine ganz andere Kategorie.
Für den Einkauf hierzulande spielt das keine Rolle. Es erklärt aber, warum auf importierten Packungen manchmal verwirrende Angaben stehen.
Die Oxidation legt den Stil fest, bevor du die Packung überhaupt in der Hand hältst. Verändern kannst du sie nicht mehr. Alles, was danach kommt, liegt dafür ganz bei dir.
Eine brauchbare erste Einstellung
Viele schwarze Tees vertragen ungefähr 90 bis 98 Grad. Drei bis vier Minuten Ziehzeit sind ein brauchbarer Ausgangspunkt. Genauer wird es mit der Anweisung auf deiner Packung, und die schlägt jede allgemeine Angabe.
Diese Werte liegen dicht am Kochpunkt. Ein Wasserkocher ohne Temperaturwahl reicht für schwarzen Tee deshalb meistens aus. Die Ziehzeit ist hier der Hebel, an dem du drehst.
Diese Werte sind ein Startpunkt und kein Gesetz. Sie geben dir einen Boden, von dem aus du in eine Richtung gehen kannst.
Jetzt kommt der wichtigste Satz über schwarzen Tee. Länger ziehen macht ihn nicht stärker, sondern bitterer.
Der Grund liegt in der Reihenfolge. Die Aromastoffe lösen sich früh aus dem Blatt, die Gerbstoffe erst später. Gerbstoffe sind jene Stoffe, die den Mund zusammenziehen und pelzig wirken lassen. Nach der empfohlenen Zeit kommt also vor allem das dazu, was du eigentlich nicht wolltest.
Wer mehr Kraft möchte, nimmt mehr Blätter bei gleicher Zeit. So einfach ist der ganze Trick. Das ist der häufigste Fehler beim Teekochen und zugleich der am leichtesten zu behebende.
Halte dich auch hier an eine Änderung pro Versuch. Entweder mehr Blatt oder eine andere Zeit, niemals beides auf einmal. Notiere kurz, was du verändert hast und wie der Tee danach geschmeckt hat.
Nach ein paar Kannen hast du deine eigene Einstellung für diese Sorte gefunden. Sie gilt dann für genau diese Packung, nicht für schwarzen Tee im Allgemeinen. Bei der nächsten Sorte beginnt die Suche von Neuem, dafür aber viel schneller.
