Die kurze Antwort
Scotch kommt aus Schottland. Bourbon kommt aus den USA, muss zu mindestens 51 Prozent aus Mais bestehen und in neuen, ausgebrannten Eichenfässern reifen. Das sind zwei Regelwerke — nicht zwei Geschmäcker.

Zwei Länder, zwei Regelwerke
Scotch wird in Schottland gebrannt und reift dort mindestens drei Jahre in Eichenfässern. Es gibt ihn aus Gerstenmalz, aus anderem Getreide und als Mischung aus beidem. Bourbon wird in den USA gebrannt. Kentucky ist am bekanntesten, erlaubt ist er aber überall in den USA. Vorgeschrieben sind mindestens 51 Prozent Mais; was sonst noch in die Maische kommt, entscheidet die Brennerei.
Bourbon bekommt neues Holz, Scotch gebrauchtes
Bourbon muss in ein fabrikneues, innen ausgebranntes Eichenfass. Jedes Fass wird dafür nur einmal benutzt. Genau diese Fässer gehen danach oft nach Schottland weiter — ein großer Teil des Scotch reift also in Behältern, in denen vorher Bourbon lag. Daneben sind alte Sherryfässer verbreitet.
Neues Holz gibt viel ab: Vanille, Kokos, Karamell, alles, was süß wirkt. Ein gebrauchtes Fass gibt weniger her und lässt mehr vom Brand selbst durch. Deshalb wirkt Bourbon oft süßer — und nicht, weil jemand Zucker zugesetzt hätte.
Wie eine einzelne Flasche schmeckt, hängt trotzdem an Zeit, Fass, Klima und Rezeptur. Und an der Farbe kannst du das Alter nicht ablesen.

Ist Bourbon süßer und Scotch rauchiger?
Bourbon erinnert oft an Vanille oder Karamell. Zucker ist deswegen keiner drin. Und Scotch kann kräftig rauchig sein, muss es aber nicht: Viele schottische Whiskys schmecken nach Frucht, Malz oder Nuss, ohne jeden Torfrauch. Vergleich deshalb zwei konkrete Flaschen und nicht zwei Nationalgeschmäcker.
Der Rauch kommt beim Scotch nicht aus dem Fass, sondern aus dem Malz. Wird die Gerste über einem Torffeuer getrocknet, nimmt sie den Rauch auf. Das entscheidet jede Brennerei selbst, und ganze Regionen arbeiten ohne Torf.
So vergleichst du die beiden fair
Nimm zwei Flaschen mit ähnlicher Alkoholstärke und für den Anfang einen Scotch ohne Rauch. Gieß kleine Mengen in gleiche Gläser und schreib auf, was du merkst: Holz, Frucht, Gewürz, Gefühl im Mund. Für Cocktails gilt dasselbe in klein: Wenn im Rezept Bourbon steht, verschiebt Rye oder Scotch das Gleichgewicht. Tausch also bewusst und nicht aus Versehen.
Ein rauchiger Scotch verdirbt den ersten Vergleich. Der Rauch überlagert alles, und am Ende vergleichst du Rauch gegen Vanille statt Schottland gegen Kentucky. Heb ihn dir für den zweiten Durchgang auf.