Die kurze Antwort
Das Fass prägt den Whisky, solange er darin liegt. Holz, frühere Nutzung und die Bedingungen im Lager wirken zusammen. Mehr Jahre bedeuten deshalb nicht automatisch mehr Genuss.

Zeit ist nur ein Teil der Geschichte
Whisky reift unter sehr unterschiedlichen Bedingungen, mal kühl und feucht, mal warm. Auch die Fassart verändert, wie schnell sich etwas tut. Eine Alterszahl allein beschreibt deshalb nicht, wie stark Holz und andere Eindrücke am Ende hervortreten.
Ein Fass ist kein neutraler Behälter. Es gibt etwas ab, es nimmt etwas auf, und beides läuft je nach Lager schneller oder langsamer. Zwei Fässer, am selben Tag befüllt, können nach derselben Zeit unterschiedlich weit sein. Die Zahl auf dem Etikett misst also Zeit, nicht Wirkung.
Für dich heißt das: Am Ende zählt, was im Glas passiert. Kommt dir ein jüngerer Whisky runder vor als ein älterer, hat bei ihm das Zusammenspiel aus Holz und Lagerung eben anders gewirkt. Das Alter ist eine Angabe zur Herstellung, genau wie die Fassart.
Was die frühere Fassfüllung verrät
Vorbelegung heißt schlicht: Was lag vor dem Whisky in diesem Fass? Ein Hinweis auf ein Bourbon- oder Sherryfass beschreibt genau diesen einen Schritt. Eine feste Liste von Aromen verspricht er nicht. Frag im Laden lieber danach, wie die einzelne Abfüllung beschrieben wird.
Für einen eigenen Vergleich suchst du zwei Fassvarianten derselben Brennerei, möglichst mit ähnlicher Stärke. Dann ist weniger gleichzeitig verschieden. Notiere, ob du mehr Frucht, mehr Holz oder mehr Trockenheit wahrnimmst. Gefällt dir der ältere Whisky weniger, ist das ein gültiges Ergebnis und kein Zeichen für einen ungeschulten Geschmack.
Die Angabe zur Vorbelegung zeigt dir den Weg des Holzes vor dem Whisky. Wie lange der Whisky darin lag, steht dort nicht. Auch nicht, ob das Fass nur den letzten Abschnitt der Reifung geprägt hat. Im Fachhandel lässt sich das oft nachschlagen. Die Beschreibung der einzelnen Abfüllung bringt dich weiter als das Stichwort auf der Vorderseite.

Kühlfiltration und Farbe getrennt lesen
Kühlfiltration ist ein Arbeitsschritt: Der Whisky wird heruntergekühlt und gefiltert. Dabei verschwinden Bestandteile, die ihn bei Kälte oder mit Wasser trüb werden lassen. Nicht kühlfiltriert beschreibt also die Verarbeitung, keine Qualitätsstufe. Eine leichte Trübung im Glas ist für sich genommen kein Fehler.
Natürliche Farbe und ungefärbt beantworten eine andere Frage. Wie dunkel ein Whisky aussieht, hängt von Fassart und Reifung ab. In Jahre umrechnen lässt sich das nicht. Prüfe deshalb die Angabe zur konkreten Abfüllung. Eine dunkle Farbe beweist kein hohes Alter.
Beim Probieren kannst du beides auseinanderhalten. Gib etwas Wasser dazu und schau, ob der Whisky milchig wird. Passiert das, erfährst du etwas über die Verarbeitung, nicht über einen Mangel im Glas. Die Farbe siehst du dir danach an, bei hellem Licht gegen eine weiße Fläche. Schließe daraus weder auf Jahre noch auf Süße.
Älter ist nicht gleich besser
Am hartnäckigsten hält sich die Sache mit der Farbe. Dunkel wirkt kräftig und gereift. Die Farbe entsteht aber aus Fassart und Reifung und lässt sich nicht in Jahre umrechnen. Ein heller Whisky kann intensiv schmecken, ein dunkler zurückhaltend bleiben.
Das zweite Missverständnis betrifft die Fassangabe. Sherryfass wird gern mit Süße gleichgesetzt. Die Angabe beschreibt aber nur, was vorher im Holz war. Und eine Trübung im kalten Glas verrät dir etwas über die Verarbeitung, nicht über einen verdorbenen Whisky.