Die kurze Antwort
Spiced heißt gewürzt. Hinter dem Wort steckt meist ein Produkt auf Rumbasis, dem Gewürze oder Aromen zugesetzt wurden. Was genau in der Flasche ist, verrät nur die rechtliche Produktbezeichnung auf dem Etikett.

Werbename und Kategorie unterscheiden
Die EU-Kategorie Rum erlaubt keine Aromatisierung. Ein gewürztes Produkt darf deshalb nicht einfach Rum heißen. Es wird zum Beispiel als Spirituose bezeichnet oder einer anderen passenden Kategorie zugeordnet. Das große Wort auf der Vorderseite erzählt davon wenig.
Aromatisiert bedeutet dabei: Nach dem Brennen kommt noch etwas dazu. Das können Gewürze sein, Auszüge daraus oder Aromastoffe. Der Geschmack entsteht dann nicht allein in Brennblase und Fass. Ein Teil davon wird später eingerührt.
Spiced ist damit zunächst ein Werbewort. Zwei Flaschen, auf denen dasselbe Wort steht, können ganz unterschiedlich zusammengesetzt sein. Genau deshalb hilft nur der Blick auf die Einordnung.
Praktisch heißt das: Die rechtliche Bezeichnung steht selten dort, wo dein Blick zuerst hinfällt. Sie ist klein gesetzt, manchmal auch auf der Rückseite. Trotzdem ist sie die einzige Zeile, die einer Regel folgen muss. Alles andere auf der Flasche ist Gestaltung.
Ein Vorwurf an die Hersteller ist das nicht. Gewürzte Produkte dürfen gewürzt sein, und sie dürfen dafür werben. Überrascht wird nur, wer dasselbe wie einen ungewürzten Rum erwartet hat.
Was du tatsächlich auswählen möchtest
Lies die Zutaten- und Herstellerinformationen und schau auf den Alkoholgehalt. Kaufst du für ein bestimmtes Rezept ein, tausche die ungewürzte Grundspirituose nicht unbemerkt gegen eine stark aromatisierte. Sie kann den ganzen Drink verändern.
Ein Rezept rechnet mit dem, was die Grundspirituose mitbringt. Bringt sie zusätzlich Gewürze mit, treffen die auf alle anderen Zutaten. Was vorher klar schmeckte, wird dann schnell unübersichtlich.
Auch der Alkoholgehalt verdient Aufmerksamkeit. Gewürzte Produkte liegen häufig niedriger als ungewürzter Rum. Ein Rezept, das auf eine bestimmte Stärke ausgelegt ist, gerät dadurch aus dem Gleichgewicht. Der Drink schmeckt nicht nur anders, er wirkt auch dünner.
Zum Kennenlernen riechst du zuerst an einer kleinen Probe. Erst danach gibst du den geplanten Mixer dazu. So merkst du, welcher Eindruck von welcher Zutat kommt. Andersherum lässt sich das kaum noch auseinanderhalten.
Ob dir der gewürzte Stil besser gefällt, bleibt eine reine Geschmacksfrage. Er muss weder als schlechter Rum abgewertet noch als große Entdeckung gefeiert werden.

Woran du es auf der Flasche erkennst
Such die Zeile, die das Produkt einordnet. Sie steht meist in derselben Schriftgröße wie die Mengenangabe und der Alkoholgehalt. Findest du dort etwas anderes als das große Wort von der Vorderseite, hast du deine Antwort.
Eine Zutatenliste oder ein Hinweis auf Aromen ist ein weiterer deutlicher Fingerzeig. Wo Aromen genannt werden, wurde etwas zugesetzt. Bleibt es unklar, hilft ein Blick auf die Seite des Herstellers, wo die Kategorie meist ausgeschrieben steht.
Im Zweifel lohnt auch der Preisvergleich im Regal. Gewürzte Produkte liegen oft unter ungewürzten Rums, die ähnlich alt wirken. Ein Beweis ist das nicht, aber ein Anlass, genauer hinzuschauen.