Die kurze Antwort
Wein entsteht aus dem Saft von Trauben. Winzige Lebewesen, die Hefen, fressen den Zucker im Saft und geben dabei Alkohol und Kohlendioxid ab. Diesen Vorgang nennt man Gärung. Die Traube gibt den Ausgangspunkt vor. Was danach im Keller passiert, prägt den Stil des fertigen Weins.

Die Gärung ist der entscheidende Schritt
Traubensaft ist noch kein Wein. Erst die Gärung macht einen daraus. Dabei verschwindet ein Teil des Zuckers, manchmal fast der ganze. Wie viel davon übrig bleibt, entscheidet, ob der Wein trocken oder süß wirkt. Gleichzeitig ändert sich der Duft. Ein Wein muss deshalb nicht nach frischem Traubensaft riechen.
Ausbau heißt die Zeit zwischen Gärung und Abfüllung, mit allen Entscheidungen darin. Dazu gehört die Frage, ob der Wein in einem Tank aus Stahl liegt oder in einem Fass aus Holz. Der Keller ist dabei kein Wartezimmer. Auch ohne neue Zutaten verändert sich ein Wein in dieser Zeit.
Die Hefen sind die eigentlichen Arbeiter. Sie ernähren sich vom Zucker der Trauben und geben dafür Alkohol und Kohlendioxid ab. Läuft die Gärung bis zum Ende durch, bleibt kaum Zucker übrig, und der Wein wirkt trocken. Beendet der Winzer sie vorher, schmeckst du den Rest als Süße. Genau deshalb landet derselbe Saft einmal knochentrocken und einmal deutlich süß im Glas.
Auch der Duft erklärt sich daraus. Das meiste, was du riechst, entsteht erst während der Gärung. Im Saft steckt es vorher noch nicht. Riecht ein Wein nach Zitronenschale, nach Apfel oder nach Gewürz, hat trotzdem niemand etwas hineingegeben. Beim Ausbau ist es ähnlich. Ein Tank hält sich weitgehend heraus, Holz steuert selbst etwas bei. Und schon die Zeit allein verändert einen Wein, ganz ohne Zutun.
Warum die Farbe nicht alles erklärt
Zum Einordnen genügen erst einmal drei Gruppen: Weißwein, Rotwein und Rosé. Dazu kommt die Frage, ob der Wein still ist oder prickelt. Innerhalb jeder Gruppe liegen große Unterschiede. Ein heller Wein kann kraftvoll sein, ein dunkelroter weich. Die Farbe verrät dir weder den Zuckergehalt noch deine persönliche Vorliebe.
Willst du eine Flasche beschreiben, fang mit einfachen Angaben an: Farbe, spürbare Süße, Frische und Gewicht im Mund. Der Name einer Region ist dann eine Zusatzinformation. Kennen musst du ihn nicht, um mitreden zu können.
Die Einteilung nach Farbe ist ein Startpunkt, kein Urteil. Sie sagt dir ungefähr, womit du es zu tun hast, und ob es still oder prickelnd wird. Alles Weitere entscheidet sich im Glas. Zwei Weißweine nebeneinander können weiter auseinanderliegen als ein Weißwein und ein leichter Roter. Nach zwei Schlucken merkst du das deutlicher als an jedem Etikett.
Übe das Beschreiben an konkreten Fragen. Wirkt der Wein süß oder nicht? Läuft er frisch und lebendig über die Zunge oder eher breit und ruhig? Bleibt nach dem Schlucken ein Gewicht im Mund? Vier solcher Beobachtungen genügen, um im Laden zu sagen, was du suchst. Die Region nimmst du danach einfach dazu.

Was viele über Wein falsch annehmen
Dunkel bedeutet nicht schwer, hell nicht harmlos. Die Farbe entsteht auf einem anderen Weg als Alkohol, Süße und Mundgefühl. Vom einen lässt sich deshalb nicht auf das andere schließen. Auch Rosé ist keine eigene Geschmacksrichtung. Es gibt trockene und süße Rosés, genau wie bei Weiß und Rot.
Der zweite Stolperstein ist das Wort trocken. Es sagt nur, dass wenig Zucker übrig geblieben ist. Hart oder sauer muss so ein Wein deshalb nicht schmecken. Ein trockener Wein kann weich und rund wirken, ein süßer frisch und straff. Wer beides einmal bewusst nebeneinander probiert hat, verwechselt Süße und Säure danach selten wieder.
Zwei Weine nebeneinander probieren
Stell zwei Flaschen derselben Farbe nebeneinander und schenk beide gleichzeitig ein. Im direkten Vergleich erkennst du Unterschiede viel leichter als an zwei getrennten Abenden. Achte zuerst auf die Süße, dann auf die Frische, zuletzt auf das Gewicht im Mund. Notiere in einem Satz, welcher der beiden dir besser gefällt und warum.
Nach ein paar solchen Runden hast du eine eigene Sprache für deinen Geschmack. Mit anderen abgleichen musst du sie nicht. Sie sollte nur über Monate gleich bleiben, damit deine Notizen vergleichbar sind. Im Laden sind diese Notizen später mehr wert als jede Bestenliste.