Die kurze Antwort
Whisky lagert am besten aufrecht, gut verschlossen und geschützt vor Licht und starker Wärme. In der Flasche reift er nicht weiter wie im Holzfass. Nach dem Öffnen kann sich sein Aroma trotzdem verändern.

Warum aufrecht und dunkel?
Direktes Sonnenlicht und große Temperatursprünge schaden dem Whisky. Ein dunkler Schrank bei gleichmäßiger Raumtemperatur genügt in den meisten Wohnungen. Das Regal neben dem Herd und das sonnige Fensterbrett fallen damit aus. Eine stehende Flasche hält den hochprozentigen Inhalt vom Korken fern. Prüfe ab und zu, ob der Verschluss noch sauber sitzt. Bei Flaschen, die lange unbenutzt standen, lohnt sich der Blick besonders.
Der aufrechte Stand hat einen handfesten Grund. Whisky mit über 40 Prozent Alkohol greift den Korken an, sobald er dauerhaft daran liegt. Der Verschluss wird brüchig, bröselt beim Öffnen und dichtet nicht mehr. Beim Wein läuft es umgekehrt, denn dort hält die liegende Lagerung den Korken feucht. Die Regel aus dem Weinkeller lässt sich hier also nicht übernehmen. Wer seine Flaschen ins Weinregal legt, schadet ihnen mit den besten Absichten.
Was mit einer offenen Flasche passiert
Wie rasch sich ein angebrochener Whisky verändert, hängt vom Füllstand ab, vom Verschluss und vom Lagerplatz. Eine fast leere Flasche hat viel Luft über dem Inhalt, und diese Luft macht die Arbeit. Deshalb gäbe es eine feste Frist für alle Abfüllungen nur auf dem Papier. Schreib dir das Öffnungsdatum auf. Beobachte danach Duft und Geschmack. Verschwundene Aromen kommen durch längeres Lagern nicht zurück.
Als Anhaltspunkt: Solange die Flasche gut halb voll ist, passiert über Monate wenig. Beim letzten Fünftel wird die Veränderung innerhalb einiger Monate deutlich. Meist verliert der Whisky an Duft und wirkt flacher. Manche Abfüllungen gewinnen anfangs sogar dazu. Ausgeglichener wird es danach aber nicht mehr. Trink den Rest also lieber, als ihn für einen besonderen Anlass aufzuheben.

Lohnt sich Umfüllen?
Ein kleiner Rest, der noch lange halten soll, ist der klassische Fall fürs Umfüllen. Eine kleinere, saubere und dicht schließende Glasflasche verringert den Luftraum über dem Whisky. Beschrifte sie eindeutig mit Inhalt, Stärke und Umfülldatum. Ungeeignete Behälter oder schlecht sitzende Deckel machen den Vorteil wieder zunichte. Reste, die ohnehin bald leer sind, brauchen den Aufwand nicht. Rieche vorher in die neue Flasche hinein. Ein Behälter, der nach Marmelade oder nach Spülmittel riecht, gibt das an den Whisky weiter.
Kleine Braunglasflaschen mit dichtem Verschluss eignen sich gut und kosten wenig. Fülle sie möglichst randvoll, denn der Sinn der Übung liegt im Verdrängen der Luft. Ein Etikett mit Name, Stärke und Datum verhindert ein Rätsel im Schrank. Nach einiger Zeit erkennst du sonst nicht mehr, was in dem kleinen Fläschchen steckt.
Kein zusätzliches Fassalter im Schrank
Ein zwölfjähriger Whisky wird in deiner Wohnung nicht älter. Nach fünf Jahren im Schrank ist er kein siebzehnjähriger Whisky. Die Altersangabe zählt allein die Zeit im Fass, und dort passiert die Reifung. In der verschlossenen Glasflasche fehlt das Holz, also fehlt auch die Veränderung. Eine dunkler gewordene oder lange verschlossene Flasche ist deshalb weder wertvoller noch besser. Bei Sammlerfragen zählen Zustand und Herkunftsnachweise gesondert. Auf die Lagerung kommt es dagegen sehr wohl an. Eine Flasche, die jahrelang in der Sonne stand, hat gelitten. Die Altersangabe auf dem Etikett ändert daran nichts.