
Schmuggel & Lizenz
Region & Geschichte
Wer im 18. Jahrhundert auf Islay ein Fass Whisky brauchte, ging nicht in einen Laden. Er ging zu einem Nachbarn mit eigener Brennblase im Torfschuppen. Schmuggel war für viele Krofter und Fischer der Insel der Haupterwerb, besonders in den Wintermonaten, wenn die Felder nichts hergaben. Ganze Familien lebten davon, und der Whisky floss über die Insel hinaus bis nach Argyllshire, Inverness-shire, Mull, Lewis, Galloway und sogar nach Irland.
Die wenigen Zollbeamten, die man auf die Insel schickte, waren dieser Aufgabe nicht gewachsen. Wenn sie eine illegale Brennblase beschlagnahmen oder zerschlagen wollten, schlug ihnen offene Feindseligkeit entgegen, manchmal auch Gewalt. Die Friedensrichter, die über Strafen entschieden, kannten die Schmuggler meist persönlich, als Freunde, Pächter oder Kunden. Also setzten sie die Bußgelder so niedrig an, dass sie kaum wehtaten.
1823 änderte ein einziges Gesetz alles. Der Excise Act erlaubte legales Brennen gegen eine Lizenzgebühr von zehn Pfund und eine feste Abgabe von zwei Shilling und drei Pence je Gallone reinen Alkohols. Im selben Jahr gab es noch rund 14.000 aufgedeckte Fälle illegalen Brennens, ein Jahrzehnt später waren es noch 692, 1874 nur noch sechs. Aus Schmugglern wurden Lizenznehmer, und aus Schuppen wurden Brennereien mit Namen.
Bowmore gab es zu diesem Zeitpunkt schon lange: Das Dorf am Loch Indaal wurde bereits 1779 gegründet und gilt als älteste noch arbeitende Brennerei der Insel. Andere kamen erst viel später dazu, Kilchoman etwa erst 2005, als erste neue Brennerei auf Islay seit Generationen. Heute stehen neun Brennereien auf der Insel, dazu Port Ellen, dessen Brennerei 1983 schloss, während die dortige Mälzerei bis heute den Großteil des Islay-Malzes liefert. Aus der Insel der Schmuggler ist die Insel mit der höchsten Brennereidichte Schottlands geworden.