Die kurze Antwort
Genever und Gin sind miteinander verwandt, aber nicht austauschbar. Beim Genever prägt oft das malzige Grunddestillat den Geschmack. Ein Gin stellt dagegen den Wacholder und weitere pflanzliche Zutaten in den Mittelpunkt.

Malzwein meint hier keinen Wein aus Trauben
Malzwein bezeichnet beim Genever ein Destillat aus Getreide. Dieses Destillat bringt eigene Aromen mit. Der Hersteller mischt es mit weiterem Alkohol und mit Botanicals, also den pflanzlichen Zutaten, die den Geschmack liefern. So entstehen sehr unterschiedliche Rezepturen. Der malzige, getreidige Eindruck erklärt, warum Genever manchmal näher an einem jungen Getreidebrand liegt als an einem neutral aufgebauten Gin.
Der Name führt in die Irre. Wein steht hier im alten Sinn von vergorenem Getränk. Gemeint ist ein Destillat aus vergorenem Getreide, das näher am Whisky liegt als an allem aus Trauben. Daher kommt der malzige Grundton. Viele Leute überrascht er beim ersten Schluck. Der Vergleich mit Whisky trägt hier weiter als der Vergleich mit Gin. Beide starten mit Getreide, das jemand vergoren und gebrannt hat.
Historisch ist Genever der ältere von beiden. Gin entstand daraus, als das Getränk nach England kam und die Basis dort neutraler wurde. Wer Genever probiert, schmeckt also keine Gin-Variante, sondern den Vorfahren. Diese Reihenfolge hilft beim Einordnen. Der kräftige Getreideton ist kein Zusatz, den jemand später eingebaut hat. Er war von Anfang an da, und beim Gin hat man ihn zurückgenommen.
Was jonge und oude wirklich bedeuten
Übersetzt heißen die beiden Wörter jung und alt. Sie beschreiben aber Rezepturtraditionen und die Anforderungen, die daran hängen. Ein oude Genever hat nicht allein wegen dieses Wortes jahrelang im Fass gelegen. Such nach einer gesonderten Fass- oder Altersangabe, falls dich eine tatsächliche Reifung interessiert. Die Farbe taugt ebenfalls nicht als Beweis. Ein dunkler Ton kann aus dem Fass kommen, er kann aber auch eine andere Ursache haben. Beim Einkauf zählt dieser Unterschied. Ein Wort auf dem Etikett beschreibt eine Machart. Eine Jahresangabe daneben beschreibt die Zeit im Fass. Nachprüfen lässt sich nur die zweite.

Wie du den Unterschied probierst
Stell kleine Mengen nebeneinander, am besten in gleichen Gläsern. Achte zuerst auf drei Dinge: Getreide, Wacholder und Süße. Eine ungewöhnlich malzige Probe ist deshalb kein Fehler, denn genau dafür ist die Kategorie bekannt. Zum Mixen greifst du am besten zu einem Rezept, das Genever ausdrücklich vorsieht. Ein schlichter Austausch im Dry Martini verschiebt dessen Charakter deutlich.
Beginne mit einem jonge Genever, falls dir Gin vertraut ist. Er steht der bekannten Richtung näher. Ein oude Genever ist der größere Sprung: getreidig, runder und manchmal leicht süßlich. Probiere beide pur und zimmerwarm. Kälte dämpft den Duft, und ein Mixer überdeckt genau das, worum es hier geht.
Was beim Einkauf hilft
Drei Fragen bringen dich im Laden weiter. Wie hoch ist der Anteil des Grunddestillats, und wie kräftig schmeckt es? Lag der Genever in einem Fass? Und wofür ist die Flasche gedacht? Wer einen trockenen Gin Tonic im Sinn hat, sollte Genever nicht allein wegen der Wacholderverwandtschaft kaufen. Die Enttäuschung ist dann vorprogrammiert, und sie liegt nicht am Produkt. Wer dagegen Getreidearomen mag, findet gerade in diesem Unterschied einen guten Einstieg. Für den ersten Kauf lohnt sich die kleinste Flasche, die du bekommst. Genever teilt die Meinungen stärker als Gin. Ein halber Liter im Schrank ärgert weniger als ein ganzer.