Die kurze Antwort
Gin ist eine Spirituose, die nach Wacholder schmecken muss. Alle weiteren pflanzlichen Zutaten sind frei wählbar, etwa Zitrusschalen, Samen, Wurzeln oder Gewürze. Deshalb schmecken zwei Gins oft sehr verschieden.

Wacholder muss in jedem Gin stecken
Wacholder ist die einzige Zutat, die in jedem Gin stecken muss. Er ist der Kern der ganzen Kategorie. Alles andere wählt die Brennerei selbst: Koriandersamen, Zitrusschalen, Angelikawurzel, Kardamom, Lavendel. Die Liste ist lang und sieht bei jedem Hersteller anders aus.
Diese pflanzlichen Aromageber nennt man Botanicals. Wie sie verarbeitet werden, macht den zweiten großen Unterschied. Zwei Flaschen mit demselben Wort auf dem Etikett können deshalb völlig verschieden riechen.
Eine Zahl wie ‚zwölf Botanicals‘ auf der Flasche ist Werbung und kein Maßstab. Ein Gin mit fünf gut abgestimmten Zutaten kann klarer schmecken als einer mit zwanzig. Zu viele Aromen verdecken sich gegenseitig.
Nach dem geplanten Drink auswählen
Planst du einen Gin Tonic, denk auch an das Tonic. Es bringt eigenen Geschmack mit und kann einen zurückhaltenden Gin überdecken. Für einen Cocktail mit kräftigen anderen Zutaten brauchst du einen entsprechend deutlichen Gin-Stil.
Ein erster Vergleich ist schnell gemacht: zwei kleine Proben, derselbe Mixer, dasselbe Glas. Notiere, ob du vor allem Zitrus, Gewürz oder Wacholder wahrnimmst. Über den Geschmack sagt ein auffälliges Flaschendesign nichts.
Wirkt eine farbige Variante sehr süß, lies die genaue Produktbezeichnung. Nicht alles mit großem Gin-Schriftzug ist dieselbe Art von Getränk.

Wie Gin entsteht
Am Anfang steht landwirtschaftlicher Alkohol, also ein weitgehend geschmacksneutraler Alkohol aus Pflanzen. Er wird mit Wacholder und weiteren pflanzlichen Zutaten aromatisiert. In der EU muss Gin dabei mindestens 37,5 Prozent vol erreichen.
Bei der Verarbeitung gibt es zwei verbreitete Wege. Entweder liegen die Botanicals direkt in der Flüssigkeit, die gebrannt wird. Oder ihr Duft wird im aufsteigenden Dampf aufgenommen, ähnlich wie beim Dämpfen in der Küche.
Der erste Weg gibt meist kräftigere Ergebnisse, der zweite feinere. Beides sind Handwerksentscheidungen und keine Qualitätsstufen. Die Liste der Botanicals allein erklärt weder Intensität noch Qualität.
Dein Weg durch die Gin-Welt
Bei der ersten Flasche helfen verständliche Stilbeschreibungen: wacholderbetont, zitrisch, würzig oder floral. Danach kommt die Frage nach dem Einsatz. Ein kräftiger Negroni verlangt etwas anderes als ein feiner Martini oder ein frischer Gin Tonic.
Halte die erste Flasche bewusst einfach. Ein wacholderbetonter Gin ist der Bezugspunkt für alles Spätere. Kennst du die Grundlage, erkennst du beim nächsten Gin sofort, was eine Brennerei zusätzlich gemacht hat. Andersherum ist es mühsam.
Gin ist keine Sorte Wodka
Gin wird nicht gereift. Eine goldene Farbe im Glas kommt deshalb fast nie aus dem Fass, sondern meist von Zutaten oder Zusätzen. Ausnahmen mit Fasslagerung gibt es, und die schreiben es ausdrücklich dazu. Die Farbe einer Ginflasche sagt dir also nichts über ihr Alter.
Ein rosa Gin ist außerdem nicht zwangsläufig ein Gin. Viele farbige und gesüßte Varianten fallen rechtlich in eine andere Kategorie. Das große Wort auf der Vorderseite entscheidet darüber nicht. Ein Blick auf die kleine Produktbezeichnung klärt es in zwei Sekunden.