Die kurze Antwort
Grappa ist ein italienischer Tresterbrand. Trester ist das, was nach dem Pressen der Trauben übrig bleibt. Ein Weinbrand entsteht dagegen aus fertigem Wein. Grappa ist also etwas anderes und auch nicht zwangsläufig ein scharfer Resteverwerter.

Trester ist ein eigener Ausgangsstoff
Nach dem Pressen bleiben Schalen, Kerne und Stiele zurück. Dieser Rest heißt Trester. Aus ihm entsteht Grappa. Ein Weinbrand wird aus fertigem Wein gebrannt. Der Ausgangsstoff ist also ein völlig anderer, und das schmeckst du auch.
Früher war Grappa ein Getränk der Verwertung. Gebrannt wurde, was man nicht wegwerfen wollte. Heute achten gute Erzeuger darauf, den Trester frisch und feucht zu verarbeiten. Liegt er zu lange herum, verdirbt er schnell. Lagerung und Brennverfahren entscheiden damit über die Qualität, nicht allein die Traube.
Der Trester stammt immer von einer bestimmten Rebsorte. Deshalb gibt es sortenreine Grappe, etwa aus Moscato, Nebbiolo oder Amarone. Sie schmecken deutlich verschieden. Die Sortenangabe ist hier also ein echter Hinweis auf den Charakter. Den gesamten Geschmack erklärt sie trotzdem nicht.
Klar oder gereift
Ein klarer Grappa kommt ohne Fass in die Flasche. Er zeigt die Frucht und die Aromen der Traube. Ein gereifter Grappa liegt dagegen in Holz. Das Fass gibt Farbe ab, dazu oft Vanille und Würze.
Dunkler heißt nicht besser, dunkler heißt anders. Die eigene Antwort findest du am schnellsten mit zwei kleinen Proben nebeneinander: einmal klar, einmal gereift. Nach zwei Schlucken weißt du mehr als nach zehn gelesenen Beschreibungen.
Vergleiche mit kleinen Mengen und gleichen Gläsern. Achte dabei weniger auf einzelne Duftnoten. Wichtiger ist, was dich stört. Zu scharf, zu holzig oder angenehm rund reichen als Beschreibung völlig aus. Mit diesen drei Worten kommst du im Laden weiter als mit einer auswendig gelernten Liste.

Glas und Servieren
Nimm ein kleines Glas ohne Eigengeruch, in dem über der Flüssigkeit noch Platz bleibt. Dort sammelt sich der Duft. Rieche mit etwas Abstand, sonst nimmst du vor allem den Alkohol wahr. Halte das Glas auch nicht dauernd in der warmen Hand.
Bei der Temperatur wird am meisten falsch gemacht. Eiskalt serviert verschwindet genau das, wofür ein guter Grappa gemacht wurde. Ein junger, klarer Grappa verträgt leichte Kühlung. Ein gereifter gehört bei Zimmertemperatur ins Glas. Die Gewohnheit, ihn eiskalt auszuschenken, stammt aus Zeiten, in denen sie manches verdecken sollte.
Zweifelst du, halte dich an die Empfehlung zur konkreten Abfüllung. Probiere danach einen zweiten kleinen Schluck etwas weniger kalt. Der Unterschied fällt meist größer aus, als du erwartest.
Auch als Cocktailzutat
Grappa muss nicht erst nach dem Essen auf den Tisch. Im Sour trifft er auf Zitrus und Süße. Die Zitrone macht den Drink sauer, der Sirup süßt gegen. Der Grappa liefert dazu die Frucht der Traube. So zeigt er eine andere Seite als pur im kleinen Glas.
Der Ve.N.To verbindet ihn mit Honig und Kamille. Der Honig süßt, die Kamille bringt einen kräutrigen Ton dazu.
Auch pur lohnt sich ein zweiter Versuch, falls dir der erste Grappa zu hart vorkam. Oft liegt es an Temperatur, Glas oder schlicht an der Flasche. Eine einzige Erfahrung beschreibt keine ganze Kategorie.
Welche Flasche du dafür öffnest, ist keine Nebensache. Ein stark fassbetonter Grappa verändert das Ergebnis deutlich. Für den ersten Versuch passt oft ein klarer besser, weil seine Traubenfrucht im Glas noch durchkommt.