Die kurze Antwort
Für den Anfang reicht ein einziges Glas: sauber, farblos, nach oben leicht verengt und angenehm in der Hand. Die Verengung hält den Duft über dem Wein. Ein eigenes Glas für jede Rebsorte brauchst du nicht.

Ein farbloses Glas reicht für den Anfang
Durch ein farbloses Glas siehst du den Wein so, wie er ist. Eine leicht verengte Öffnung und genug Platz im Kelch helfen beim Riechen und beim vorsichtigen Schwenken. Füll das Glas deshalb nicht bis zum Rand. Es soll dir das Probieren bequem machen.
Vergleichst du zwei Weine, nimm möglichst dieselben Gläser. Sonst änderst du neben dem Wein noch eine zweite Bedingung. An einem normalen Abend muss die Ausstattung weder teuer noch umfangreich sein.
Die verengte Öffnung hat einen einfachen Grund. Der Duft sammelt sich über der Flüssigkeit und verteilt sich nicht sofort im Raum. Dafür braucht es Luft im Kelch. Füllst du nur den unteren Teil, bleibt oben genug Platz. Ein randvolles Glas nimmt dir genau diesen Bereich weg, und Schwenken ist dann kaum noch möglich.
Vergleichbarkeit klingt nach Labor, ist zu Hause aber leicht herzustellen. Zwei gleiche Gläser nebeneinander, etwa gleich viel eingeschenkt, ähnlich temperiert. So treten Unterschiede zwischen zwei Weinen klar hervor. Kommt einer ins kleine und der andere ins große Glas, weißt du hinterher nicht, woher der Unterschied kam.
Sauber heißt auch geruchsneutral
Riech kurz an einem frisch gespülten Glas, bevor du den Wein einschenkst. Ein Geruch aus dem Schrank oder vom Spültuch stört deine Wahrnehmung. Halte das Glas am Stiel, damit deine Hand die Temperatur des Weins möglichst wenig verändert.
Beim Kauf zählen auch die Alltagsfragen. Passt es in deine Spülmaschine? Steht es sicher? Ist der Rand angenehm? Ein sehr großes Glas, das man nur zwischen zwei Fingern bewegen kann, ist nicht für jeden Haushalt die beste Wahl. Gäste freuen sich über unkomplizierte Handhabung mehr als über eine Erklärung zum Glasmodell.
Gläser nehmen Gerüche leichter an, als man denkt. Ein geschlossener Schrank, ein Tuch nach einigen Tagen im Einsatz oder ein Rest Spülmittel setzen sich im Kelch fest. Danach mischt sich das in alles, was hineinkommt. Riecht das Glas nach irgendetwas, spül es mit warmem Wasser nach und lass es kopfüber abtropfen.
Der Griff am Stiel hat einen zweiten Vorteil. Der Kelch bleibt frei von Fingerabdrücken, und du siehst den Wein klarer. Wer das Glas lieber am Bauch hält, macht nichts falsch. Ein gekühlter Wein wird dadurch nur schneller warm. Ist dir ein Wein zu kalt, bewirkt die Hand am Kelch genau das Gegenteil.

Was ein teures Glas nicht leistet
Am weitesten verbreitet ist die Annahme, jede Rebsorte brauche ihr eigenes Glas. Besondere Formen können Unterschiede betonen. Nötig sind sie nicht, um einen Wein zu verstehen. Am Anfang bringt dir ein zweites gleiches Glas mehr als ein zweites Modell. Erst damit kannst du überhaupt vergleichen.
Auch das Schwenken wird überschätzt. Es ist kein Ritual, sondern ein Werkzeug: Bewegung bringt mehr Duft in die Luft über der Flüssigkeit. Zwei ruhige Kreise im Kelch genügen. Und ein sehr großes Glas ist nicht automatisch das bessere. Ist es unhandlich oder passt es nicht in die Spülmaschine, benutzt du es selten.
Denselben Wein aus zwei Gläsern trinken
Nimm zwei gleiche Gläser und schenk in beide etwa gleich viel ein. Riech zuerst ganz ohne Bewegung. Dann schwenk kurz und riech erneut. Schon dieser Vergleich zeigt dir, was die Luft im Kelch bewirkt.
Danach machst du dasselbe mit einem randvoll gefüllten Glas. Der Unterschied in der Nase ist meist deutlich. Von da an behältst du die Füllmenge ganz von selbst im Blick.