
Chancho und Choclo
Wein & Essen
Die Küche von Maule ist Landküche, deftig und ohne viel Schnickschnack, und der Secano-Wein passt genau dazu. Beide kommen von Menschen, die wenig Wasser und viel Geduld hatten. Ein Wein mit hoher Säure und festem Tannin verlangt nach Essen mit Fett oder Schärfe, sonst wirkt er hart. Genau das liefert die Region reichlich.
Chancho en Piedra steht fast überall auf dem Tisch, eine grob im Steinmörser zerstoßene Paste aus Tomate, Knoblauch, Zwiebel und scharfem Chili, gegessen mit frischem Brot. Ein junger Cinsault oder ein kühl servierter Pipeño schneidet durch die Schärfe, ohne selbst zu verbrennen. Ein schwerer, tanninreicher Wein würde neben dieser Schärfe kämpfen und verlieren, weil sein Tannin die Schärfe nur verstärkt, statt sie einzufangen, wie es die leichtere, frischere Säure des Cinsault tut.
Zum Pastel de choclo dagegen darf es ruhig ein VIGNO-Carignan sein. Unter einer süßen Haube aus gestampftem Mais liegen Hackfleisch, Huhn, eine Olive und eine Rosine. Süß, salzig und fettig zugleich, alles in einer einzigen Gabel. Das Tannin des alten Carignan hält dagegen. Seine Frucht verträgt sich mit der Süße des Maises, statt gegen sie anzukämpfen.
An der Küste bei Constitución, wo der Maule ins Meer mündet, gart Lisa a la Teja zwischen zwei glühenden Dachziegeln, nur mit Salz, Knoblauch und Butter gewürzt. Der schwere Carignan vom Hügel wäre hier fehl am Platz. Besser passt ein junger, kühl getrunkener Wein aus dem Talboden. Er trägt die Butter, statt sie zu erschlagen.
Im September, wenn Chile seine Fiestas Patrias feiert, füllen sich die Ramadas mit Anticuchos, Empanadas und literweise Pipeño. Manche mischen ihn mit Ananaseis und Grenadine zum sogenannten Terremoto. Der Name bedeutet Erdbeben. Wer die Geschichte dieses Tals kennt, findet darin keinen Zufall, sondern die passende Erinnerung an alles, was Maule seinen Wein gekostet hat.