
Forelle und Döppekoochen
Wein & Essen
Die Küche an der Mosel ist bäuerlich und einfach entstanden, aus dem, was der Fluss und die steilen Hänge hergaben: Fisch, Kartoffeln, wenig Fleisch. Der Wein dazu ist von Natur aus sauer und oft leicht süß. Eine Kombination, die zu genau dieser Küche passt, weil Säure Fett schneidet und Süße Schärfe zähmt. Zufall ist das nicht.
Bachforelle, blau gekocht oder gebraten, ist der Klassiker am Fluss selbst, oft aus einer Zucht in der Nähe. Dazu passt ein trockener Riesling aus einer steilen Lage. Seine Säure hebt das zarte Fischfleisch an, ohne es zu erschlagen, und die steinige Note im Wein wirkt neben dem Fisch fast wie eine zweite Würze.
Döppekoochen, ein deftiger Auflauf aus geriebenen Kartoffeln, Speck und Zwiebeln, verlangt nach mehr Gegengewicht. Hier hilft ein Wein mit spürbarer, aber nicht dominanter Restsüße, ein Kabinett feinherb etwa. Er hält gegen das Fett des Specks, ohne selbst schwer zu wirken. Ein ganz trockener, sehr schlanker Wein würde neben diesem Gericht mager schmecken.
Im Herbst, wenn der neue Wein noch gärt, trinkt man an der Mosel wie im ganzen Rheinland Federweißer zu Zwiebelkuchen: süßlich-hefiger Traubenmost neben einer warmen, salzigen Tarte. Das ist kein Riesling mehr im eigentlichen Sinn, sondern eine Zwischenstufe auf dem Weg dahin. Sie gehört zum Weinjahr an der Mosel wie die Lese selbst.
Zum Dessert kippt die Regel komplett. Ein trockener Wein wirkt neben Süßem sauer und dünn, deshalb braucht ein Nachtisch einen Wein, der mindestens so süß ist wie er selbst. Ein Eiswein mit seiner konzentrierten Säure und enormen Süße schlägt hier sogar die meisten Desserts von sich aus. Oft reicht er als eigener, kleiner Abschluss, ganz ohne Teller daneben.