
Forelle & Wild
Wein & Essen
Die Bäche, die von Hunsrück und Soonwald in die Nahe fließen, sind kalt und klar genug für Forellen. In vielen Dörfern entlang des Flusses steht sie bis heute auf der Karte. Geräuchert oder blau gekocht, mit nur wenig Butter und Zitrone, verlangt sie nach einem Wein, der sie nicht überdeckt. Ein trockener Kabinett-Riesling von der unteren Nahe passt am besten, hell in der Frucht, mit genug Säure, um das leicht erdige Aroma des Fischs aufzufangen.
Aus den Wäldern des Hunsrück und Soonwald kommt im Herbst das Wild. Vor allem Reh und Wildschwein. Es wird meist geschmort, mit Wacholder und dunklem Wurzelgemüse. Dazu passt kein Riesling mehr, sondern der kräftigere Spätburgunder von den warmen Porphyrhängen der mittleren Nahe, mit genug Tannin und Frucht, um gegen die Würze des Wildgerichts zu bestehen.
Eine alte Ausnahme im Gaststättenrecht prägt bis heute, wie man an der Nahe isst. Winzer dürfen in ihren Straußwirtschaften bis zu vier Monate im Jahr ohne Wirtschaftserlaubnis ausschenken. Bedingung: Es muss der eigene Wein sein. Gastwirt muss dafür niemand sein. Serviert wird dazu meist Einfaches: Wurst, Käse, dunkles Brot. Genau in diesem einfachen Rahmen zeigt ein junger, unaufgeregter Wein oft mehr als am festlich gedeckten Tisch, weil niemand von ihm mehr erwartet, als er geben kann.
Im Herbst, wenn der junge Wein noch trüb und süßlich aus dem Fass kommt, gehört an der Nahe wie andernorts entlang des Rheins der Zwiebelkuchen dazu. Warm serviert wird er mit Kümmel und Speck. Zum Abschluss eines besonderen Essens dagegen passt nichts besser als ein Tropfen der Süßweine, für die Lagen wie die Kupfergrube berühmt wurden. Man trinkt ihn zu reifem Blauschimmelkäse oder ganz allein, in kleinen Schlucken, wie schon 1921.