
Schlachterei & Erfindergeist
Region & Geschichte
Im Mai 2005 saßen neun Freunde in einer stillgelegten Schlachterei am Rand des Dorfes Stauning zusammen. Sie fragten sich, warum es in Dänemark keinen einzigen eigenen Whisky gab. Unter ihnen war ein Metzger, dessen leerstehende Werkstatt zur ersten Brennerei wurde. Schottland kannten sie aus dem Urlaub, das nötige Handwerk brachten sie sich selbst bei.
Eine Steuer- oder Schmuggelgeschichte wie in Schottland oder Irland hat Dänemark nicht vorzuweisen. Branntwein aus Getreide wurde hier jahrhundertelang zu Aquavit und Snaps gebrannt, nicht zu Whisky. Diese Rezepte findet man bis heute in fast jedem Supermarkt. Erst mit Stauning entstand 2005 überhaupt die Idee, dasselbe Handwerk für ein Fass mit drei Jahren Reifezeit einzusetzen. Das schreibt die EU für Whisky so vor.
Die ersten Jahre liefen im Nebenerwerb. Zwischen 2009 und 2012 destillierte die kleine Crew rund 6.000 Liter im Jahr, ab 2012 waren es schon 15.000. 2015 stieg Distill Ventures, die Investmentsparte des britischen Getränkekonzerns Diageo, mit umgerechnet rund zehn Millionen Pfund bei Stauning ein. Der Konzern half beim Bau einer neuen, deutlich größeren Anlage. Die Gründer blieben am Ruder. Diageo hielt zunächst nur eine Minderheitsbeteiligung.
Zwei weitere dänische Brennereien zogen nach. Braunstein folgte 2007 im Hafen von Køge auf Seeland, Fary Lochan 2009 im Wald bei Give in Ostjütland mit dem ersten eigenen Fass im Keller. Heute gilt Stauning als die älteste Whiskybrennerei des Königreichs Dänemark. Ihr Weg von der Schlachterei zur Fachpresse-Adresse zeigt, wie jung diese ganze Whiskylandschaft noch ist.