Getreide in der Region Dänischer Whisky

Roggen vom Nachbarhof

Getreide

Wer bei Stauning nach der Herkunft des Korns fragt, bekommt eine Kilometerzahl statt eines Ländernamens. Gerste und Roggen kommen von Höfen, die höchstens zwanzig Kilometer entfernt liegen, oft in Fahrradweite. Das ist in der Whiskywelt ungewöhnlich, wo Malz meist von wenigen Großmälzereien quer durch ein Land oder sogar aus dem Ausland kommt.

Kein anderes Getreide unterscheidet diese Region so sehr von Schottland wie der Roggen. Er wächst auf dem sandigen, mageren Boden Westjütlands besser als Gerste. Hier war er schon lange vor dem Whisky ein Brotgetreide. Beim Brennen bringt er eine würzige, fast pfeffrige Note mit, die Kennern eher amerikanischen Rye Whiskey in Erinnerung ruft als einen schottischen Single Malt.

Stauning Rye war deshalb eine der ersten Abfüllungen, mit denen die Brennerei überhaupt auffiel. Es handelt sich um reinen Roggenwhisky nach dänischem Rezept, gebrannt aus einer Maische, die zu einem großen Teil aus gemälztem Roggen besteht. Daneben entstehen Single Malts aus reiner Gerste und Mischformen aus beidem, je nachdem, welches Getreide die Bauern der Gegend gerade liefern.

Nach EU-Recht darf sich, was hier reift, erst nach drei Jahren im Holzfass und mit mindestens 40 Prozent Alkohol Whisky nennen. Das gilt, egal ob aus Gerste oder Roggen gebrannt wurde. Ein eigenes dänisches Gesetz dafür gibt es nicht. Die Regeln kommen aus Brüssel und gelten für jede Brennerei zwischen Kopenhagen und Skagen gleichermaßen.

Diese Nähe zum Acker gibt den Brennereien auch mehr Kontrolle über den Charakter ihres Whiskys, als es weit entfernte Zulieferer erlauben würden. Ein trockener Sommer auf den Feldern bei Skjern schlägt sich direkt in der nächsten Charge nieder. Braunstein in Køge und Fary Lochan bei Give folgen derselben Logik. Sie kaufen ihr Getreide von Bauern aus der eigenen Landschaft.

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