
Verbot & Neustart
Region & Geschichte
Finnischer Whisky ist eine junge Geschichte, die mit einem Verbot beginnt. Ab dem 1. Juni 1919 durfte in Finnland kein Alkohol mehr hergestellt, transportiert oder verkauft werden – das Land war erst das fünfte weltweit mit einem solchen Gesetz, nach dem Russischen Reich, Island, Norwegen und Kanada. Wer trinken wollte, fand trotzdem einen Weg: Ein Schwarzmarkt entstand, und mit ihm wuchs die Kriminalität, die der Staat eigentlich hatte verhindern wollen.
1931 stimmten mehr als 70 Prozent der Finnen in einer Volksbefragung für das Ende des Verbots. Am 5. April 1932, morgens um zehn, öffneten die ersten 48 Läden der neuen Staatsfirma Oy Alkoholiliike Ab – später einfach Alko genannt. Die erste Preisliste zählte 164 Artikel. Bis heute läuft in Finnland aller Spirituosenverkauf über dieses Monopol, auch der von Whisky.
Whisky aus eigener Herstellung kam erst spät dazu. Die Brennerei Teerenpeli in Lahti, seit 1994 eine Familienbrauerei, begann 2002 mit dem Brennen von Malt Whisky – als erste in Finnland. 2008 stellte Alko mit dem fünf Jahre alten Teerenpeli Single Malt den ersten vollständig finnischen Whisky in die Regale. Dann kam 2014, ein Jahr, in dem sich gleich mehrere neue Brennereien gründeten: In Isokyrö nahm die Kyrö Distillery Company ihre eigene Anlage in Betrieb, in Helsinki eröffnete die Helsinki Distilling Company als erste Brennerei der Stadt seit über hundert Jahren, und im Kloster Valamo in Heinävesi begann man mit der Destillation.
Kyrö steht für eine besonders finnische Gründungsgeschichte. Die fünf Gründer sollen die Idee in der Sauna gehabt haben, beim gemeinsamen Trinken von amerikanischem Roggenwhisky. Dabei kam die Frage auf, warum das mit finnischem Roggen nicht auch gehen sollte. Sie fanden eine stillgelegte Molkerei im Dorf Napue, die zuletzt als Garage vermietet war, und brannten dort ab 2014 ihren ersten eigenen Whisky. Heute exportiert Kyrö seinen Malt-Roggenwhisky in viele Länder, aus einer Molkerei, die einmal voller Autos stand.