
Whisky seit 1983
Region & Geschichte
Wer an bretonischen Alkohol denkt, denkt zuerst an Cidre und an Lambig, den Apfelbrand aus den Streuobstwiesen zwischen Rennes und Quimper. Whisky kam erst spät dazu. Die Bretonen sind Nachfahren keltischer Siedler, die vor über 1500 Jahren aus Britannien übersetzten. Ihre Sprache, das Bretonische, ist mit dem Walisischen und dem Kornischen verwandt. Diese keltische Wurzel verbindet die Region mit Schottland und Irland. Gebrannt wird dort seit Jahrhunderten, in der Bretagne erst seit den Achtzigerjahren.
Die älteste Adresse der bretonischen Whiskygeschichte liegt in Lannion, an der Rosa Granitküste im Département Côtes-d'Armor. Dort gründete Léon Warenghem im Jahr 1900 eine Brennerei für Kräuterliköre, allen voran den Élixir d'Armorik aus fünfunddreißig Pflanzen. Mit Whisky hatte das Geschäft noch nichts zu tun. Es lief über Jahrzehnte als Familienbetrieb für Liköre und gewann dafür sogar Preise auf internationalen Ausstellungen.
Der Wendepunkt kam 1983: Gilles Leizour begann in Lannion mit dem Brennen von Malzwhisky, als erster in ganz Frankreich. Fünfzehn Jahre reifte das Projekt. 1998 entstand die Marke Armorik, der erste bretonische und zugleich erste französische Single Malt.
Warenghem blieb nicht lange allein. 1986 gründete Guy Le Lay in Plomelin, im Finistère, die Distillerie des Menhirs. Zunächst stellte sie nur Pommeau her, einen Verschnitt aus Apfelmost und Lambig. Erst 1998 wagte sie sich an Whisky aus Buchweizen. Aus diesem Korn wird in der Bretagne traditionell auch die Galette gebacken. 2002 kam die erste Flasche unter dem Namen Eddu in den Handel, bretonisch für Buchweizen. 2005 folgte an der Nordküste, in Pleubian, die kleine Celtic Whisky Distillerie von Martine und Jean Donnay. Ihre Marke heißt Glann ar Mor.
Heute schützt eine Indication Géographique namens Whisky de Bretagne, seit 2014 anerkannt, die Herkunft: Mindestens drei Jahre muss der Whisky im ozeanischen Klima der Region reifen. Groß ist die Szene trotzdem nicht, nur eine Handvoll Brennereien insgesamt. Jede geht dabei einen eigenen Weg zwischen Gerste, Buchweizen und einem Erbe, das weniger auf Jahrhunderten als auf Entschlossenheit beruht.