
Gerste und Buchweizen
Getreide
Warenghem in Lannion mälzt bretonische Gerste und maischt sie mit Wasser aus der hauseigenen Rest-Avel-Quelle ein. Anders als viele große schottische Marken bezieht Armorik sein Getreide also tatsächlich aus der eigenen Region.
Ganz anders die Distillerie des Menhirs in Plomelin. Sie verzichtet vollständig auf Gerste und braut ihren Whisky Eddu aus Buchweizen, auf Bretonisch blé noir. Botanisch ist Buchweizen gar kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs. In der Bretagne wird es aber seit Jahrhunderten wie eines behandelt, vor allem für die Galette, die Buchweizen-Crêpe der Region.
Eine Maische aus Buchweizen und Wasser wird zähflüssiger als eine aus Gerste. Das macht die Verarbeitung in der Brennerei schwieriger, und die Ausbeute an reinem Alkohol fällt niedriger aus. Die Distillerie des Menhirs nimmt es in Kauf. Whisky aus Buchweizen zu brennen kostet fünf- bis sechsmal so viel wie Whisky aus derselben Menge Gerste.
Seit 2014 schützt die Indication Géographique Whisky de Bretagne die Herkunft, ohne eine bestimmte Getreidesorte vorzuschreiben. Erlaubt ist Whisky aus Getreide aller Art. Er muss nur in der historischen Bretagne gebraut und gebrannt werden und mindestens drei Jahre im ozeanischen Klima der Region reifen.
Zum Vergleich: Die Scotch Whisky Regulations verlangen für einen Single Malt zwingend gemälzte Gerste, jedes andere Getreide ist ausgeschlossen. Die Bretagne kennt diese Grenze nicht. Genau diese Offenheit hat den Buchweizenwhisky aus Plomelin erst möglich gemacht. In Schottland wäre Eddu als Single Malt gar nicht denkbar.