Region & Geschichte in der Region Bangalore & Goa

Lizenz, Zoll, Aufbruch

Region & Geschichte

In Bangalore begann die Geschichte nicht mit einer Brennerei, sondern mit einer Lizenz. J. N. Radhakrishna Rao Jagdale gründete 1947 Amrut Laboratories, ein Jahr später folgte Amrut Distilleries Ltd. Die britische Kolonialzeit hatte gerade geendet, und wer in Indien Alkohol herstellen wollte, brauchte vor allem eines: eine staatliche Genehmigung. Amrut stellte zunächst sogenannten IMFL her, Indian Made Foreign Liquor, Spirituosen nach westlichem Vorbild für einen wachsenden Markt.

Ein Gesetz, das Whisky auf Getreide festlegte, gab es in Indien lange nicht. Bis weit in die 2000er Jahre durfte sich alles Whisky nennen, was aus Melasse gebrannter Alkohol war, verschnitten und gefärbt wie Schottisches. Um das Jahr 2004 bestand rund neun Zehntel dessen, was Inder als Whisky tranken, aus dieser Melasse-Spirituose, anderswo würde man sie Rum nennen. Jeder Bundesstaat erhob dazu seine eigene Verbrauchsteuer und eigene Regeln, ein Flickenteppich, durch den sich Brennereien bis heute hindurcharbeiten müssen.

Amruts Besitzer Neelakanta Rao Jagdale drehte die übliche Reihenfolge um. Am 24. August 2004 stellte er seinen Single Malt nicht in Bangalore vor, sondern in einem indischen Restaurant in Glasgow, mitten im Herzen der schottischen Whiskywelt. Die Wette ging auf: Der Kritiker Jim Murray kürte Amrut Fusion 2010 zum drittbesten Whisky der Welt, sechs Jahre bevor überhaupt eine Flasche in Indien verkauft wurde. In Goa zog John Distilleries nach. Ab 2008 baute Brennmeister Michael D'Souza dort eine eigene Malt-Brennerei auf, 2009 lief die erste Destillation, im Oktober 2012 kam Paul John Single Cask 161 auf den Markt.

Heute ist aus der Randnotiz ein Wettlauf geworden. Der Anteil von Single Malt am indischen Whiskymarkt stieg von 15 Prozent im Jahr 2017 auf 33 Prozent im Jahr 2022, mit Wachstumsraten, von denen schottische Brennereien nur träumen. 2025 beantragte die neu gegründete Indian Malt Whisky Association eine geschützte geografische Angabe, die Melasse-Whisky endgültig vom echten Malt trennen soll. Amrut und Paul John, einst Außenseiter, sind die Namen, an denen sich diese neue Kategorie misst.

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