Region & Geschichte in der Region Israelischer Whisky

Bäckerei wird Brennerei

Region & Geschichte

In Tel Aviv lag bis 2012 eine stillgelegte Bäckerei im Süden der Stadt. Kein Ort, an dem man Whisky vermuten würde. Ein paar Unternehmer um Gal Kalkshtein kauften die Halle trotzdem, holten sich mit dem Schotten Jim Swan einen erfahrenen Berater und gründeten Israels erste Whiskybrennerei, M&H. 2013 lief die erste Maische durch die neuen Kessel.

Eine heimische Whiskytradition gab es vorher nicht. Israel trinkt seit Jahrhunderten Wein, dazu Arak, den Anisschnaps der Levante. Whisky kam bis dahin nur aus Schottland, Irland oder den USA ins Land, fertig abgefüllt. 2014 verschärfte sich die Lage: Das Oberrabbinat machte für importierte Spirituosen eine koschere Zertifizierung zur Pflicht und prüfte Einfuhren strenger als zuvor. Wer von da an sicher israelischen Whisky trinken wollte, brauchte ohnehin eine heimische Brennerei.

2017 versteigerte M&H seine ersten Flaschen, einen limitierten dreijährigen Single Malt aus einer provisorischen Anlage. Die reguläre Serie ließ noch zwei Jahre auf sich warten. Erst Ende 2019 war genug Whisky gereift, um regelmäßig abzufüllen, unter dem Namen M&H Classic. Bis dahin hatte sich die extreme Reifung im israelischen Klima längst herumgesprochen, und die junge Brennerei genoss mehr internationale Aufmerksamkeit, als ihre kurze Geschichte vermuten ließ.

M&H blieb nicht lange allein. 2014 gründete der Einwanderer David Zibell in Katzrin auf den Golanhöhen die Golan Heights Distillery, zwei Brennkessel in einer Gegend, die bislang eher für Wein und Rindfleisch bekannt war. 2016, am israelischen Unabhängigkeitstag, kam sein erster eigener Whisky auf den Markt. Heute arbeiten an die zwölf kleine Brennereien zwischen den Golanhöhen und der Negev-Wüste, die neben Whisky auch Gin, Arak und Brandy herstellen, ein junges Handwerk in einem alten Weinland.

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