
Gerste aus Britannien
Getreide
M&H beginnt seinen Whisky nicht auf einem Feld in Galiläa, sondern mit einem Frachtcontainer aus England. Die Brennerei bezieht ihre gemälzte Gerste vom britischen Mälzer Muntons, überwiegend die zweizeilige Sorte Concerto, die wegen ihres hohen Zuckerertrags auch in vielen schottischen Brennereien gefragt ist. Anbau und Mälzen passieren also nicht in Israel, weil im Land selbst weder passende Braugerste noch eine Mälzerei für Whiskyzwecke existieren. Das Land liefert seinen Anteil erst beim Brauen, Brennen und Reifen.
Pro Sud wandert eine Tonne geschrotetes Malz mit 6.000 Litern Wasser in den Maischbottich, zweimal am Tag. M&H braut damit in kleinen, aufeinanderfolgenden Suden statt in einer einzigen Großcharge, wie es viele schottische Brennereien tun. Malz und Wasser treffen dabei nicht nacheinander, sondern gleichzeitig in der Luft aufeinander, eine Technik, die noch von Jim Swan stammt. Sie löst Zucker schneller und gleichmäßiger aus dem Malz.
Geschmackt wird ausschließlich mit gemälzter Gerste, kein Mais, kein Roggen, keine Zusätze. Das macht jeden Tropfen aus Tel Aviv zu einem Single Malt im klassischen Sinn, obwohl Israel selbst kein Gesetz kennt, das den Begriff schützt. M&H hält sich trotzdem freiwillig an die schottische Regel von mindestens drei Jahren Fassreifung.
Nach dem Maischen gärt die Würze sechzig bis zweiundsiebzig Stunden in sechs Bottichen, mit einer eigens für Whisky ausgewählten Trockenhefe. Heraus kommt eine fruchtige, fast grasige Maische, die an Steinobst erinnert, süßer und leichter als viele schottische Vorbilder. Zweimal im Jahr läuft dieselbe Anlage stattdessen mit getorftem Malz. Davon erzählt die nächste Station mehr.