
Handel & Verbot
Region & Geschichte
Lange bevor in Alberta legal gebrannt wurde, blühte dort ein anderer Handel: der mit Schmuggelwhisky. 1869 errichteten die Händler John Healy und Alfred Hamilton einen Handelsposten, den bald jeder nur noch Fort Whoop-Up nannte. Über fünfzig solcher Posten entstanden im Süden der heutigen Provinz, mit Namen wie Slide Out oder Robbers' Roost, doch keiner wurde so berüchtigt wie dieser.
Ohne jede Polizei in der Gegend verkauften die Händler ihren Fusel zu Wucherpreisen, oft im Tausch gegen Büffelfelle der Blackfoot. Die Klagen darüber erreichten Ottawa, dazu kam das Gerücht, über einem der Forts wehe sogar eine amerikanische Flagge. Beides zusammen gab 1873 den Ausschlag zur Gründung der North-West Mounted Police, einer neuen berittenen Polizeitruppe.
Am 9. Oktober 1874 erreichte die Truppe endlich Fort Whoop-Up. Die Enttäuschung war groß: Die Schmuggler waren längst über die Grenze nach Montana geflohen, zurück blieb nur ein einsamer Wächter. Kein Schuss fiel, und der größte Whiskyhandel des Westens war trotzdem beendet. Bis 1890 unterhielt die Polizei im alten Fort ihre eigene Kaserne.
Legal wurde in Alberta erst viel später gebrannt. 1946 taten sich in Calgary der Rancher Max Bell, der Ölmann Frank McMahon und der erfahrene Brenner George Reifel zusammen und gründeten Alberta Distillers. Zwölf Jahre danach, 1958, kam mit Alberta Premium einer der ersten echten Hundert-Prozent-Roggenwhiskys der Welt auf den Markt, zu einer Zeit, in der kanadische Blends fast immer auf Mais setzten.
Rund eine Autostunde südlich, in High River, ließen Calgary-Investoren 1974 einen deutschen Brennmeister eine neue Destillerie planen. Sie hieß zunächst Sunnyvale, ab 1984 dann Highwood Distillers, benannt nach dem Fluss und den Ausläufern der Rocky Mountains rings um die Stadt. 2005 kaufte das Unternehmen die britisch-kolumbische Potter's Distilleries dazu und erweiterte sein Sortiment um gut ein Dutzend neue Marken.
Heute gehört Alberta Distillers dem japanischen Konzern Suntory Global Spirits, Highwood Distillers arbeitet weiterhin unabhängig zwischen Calgary und High River. Gereifter Roggen aus Calgary wandert sogar zu fremden Marken wie Masterson's oder WhistlePig, die ihn nur noch abfüllen. Beide Häuser beziehen bis heute das meiste Getreide aus der eigenen Provinz.