Region & Geschichte in der Region Waldviertel

Roggen statt Gerste

Region & Geschichte

1995 gab es in Österreich noch keine einzige Whiskydestillerie. Johann Haider änderte das von seinem Hof in Roggenreith aus, tief im nördlichen Waldviertel, wo bis dahin höchstens von Obstbränden die Rede war. Er entschied sich gegen die schottische Regel, Gerste zu brennen, und für das Korn, das auf den kargen Feldern seiner Gegend am zuverlässigsten wuchs: Roggen.

Zwei Jahre musste der erste Brand im Fass reifen, ehe er 1997 als Original Rye Whisky J.H. vorgestellt wurde – Österreichs erster eigener Whisky. Eine Whisky-Tradition mit eigenen Gesetzen wie in Schottland gab es nicht, an der sich Haider hätte orientieren können. Für ihn galt nur die allgemeine EU-Regel, dass Whisky mindestens drei Jahre in einem Holzfass liegen muss, bevor er so heißen darf.

Genau diese Lücke wurde zum Vorteil. Weil kein Regelwerk vorschrieb, welches Getreide, welches Fass oder welche Reifezeit einen echten Whisky ausmacht, konnte Roggenreith von Anfang an einen eigenen Weg gehen: Roggen und Gerste gemeinsam vermälzen, mit Torf aus heimischen Nadelwäldern räuchern, in Fässern aus Manhartsberger Eiche reifen lassen. Was anderswo als Abweichung gegolten hätte, war hier einfach der Anfang.

Aus der kleinen Hofbrennerei wurde über die Jahre die Whisky-Erlebniswelt Haider mit täglichen Führungen, Verkostungen und einem eigenen Whisky-Kino. Im 7.000 Quadratmeter großen Feuer-Wasser-Garten stehen die vier Elemente der Whiskyherstellung im Mittelpunkt, mit Feuer-Wasser-Arena und einem keltischen Jahres- und Lebensbaumkreis. Aus einer einzelnen Idee wurde ein Ausflugsziel, das Besucher aus ganz Niederösterreich anzieht.

Heute ist Roggenreith längst nicht mehr allein. Unter dem Dach der Austrian Whisky Association haben sich mittlerweile 13 österreichische Destillerien zusammengeschlossen – von Reisetbauer im Hausruckviertel bis Broger in Vorarlberg. Doch die erste Adresse, an der ein Österreicher lernen konnte, wie man im eigenen Land Whisky brennt, bleibt Roggenreith.

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