Getreide in der Region Waldviertel

Roggen und Gerste

Getreide

Im Waldviertel ist der Boden granithaltig und mager. Die Sommer sind kurz, und nicht jedes Getreide hält das aus. Roggen schon: Er wurzelt tief und verträgt Frost bis weit ins Frühjahr. Fette Böden braucht er nicht, um ein kräftiges Korn auszubilden – genau das, was dem Granit- und Gneishochland sonst fehlt.

Der Original Rye Whisky J.H. besteht zu 60 Prozent aus Roggen und zu 40 Prozent aus Gerstenmalz. Diese Mischung ist im Land selten. Reiner Roggenwhisky, wie er in Nordamerika als Rye Whiskey bekannt ist, schmeckt oft scharf und würzig, fast pfeffrig. Die beigemischte Gerste rundet diese Kanten in Roggenreith ab, ohne den Roggencharakter zu verdecken.

Ein eigenes Gesetz zur Mindestmenge Roggen gibt es in Österreich nicht. Anders in den USA. Dort sind mindestens 51 Prozent Roggen im Maischeansatz vorgeschrieben, damit ein Whisky Rye Whiskey heißen darf. Roggenreith übertrifft diese Marke deutlich, mit gutem Grund: Das Korn kommt vollständig aus der eigenen Gegend.

Für die Maische wird das Getreide geschrotet und mit warmem Wasser aus der hofeigenen Quelle vermischt. Dann kommt Hefe dazu, bis Zucker zu Alkohol wird. Roggen macht diesen Schritt technisch schwieriger als Gerste: Er enthält keine Spelzen, die beim Läutern als natürlicher Filter wirken. Zudem neigt die Maische eher zum Verkleben. Wer trotzdem an Roggen festhält, tut es wegen des Geschmacks, nicht der Bequemlichkeit.

Neben dem klassischen Rye gibt es in Roggenreith auch eine Version aus 100 Prozent dunkel geröstetem Roggenmalz. Das wird zusätzlich mit Torf geräuchert. Dieser Whisky hat mit den milden Getreidewhiskys anderer Regionen nichts mehr gemein. So zeigt ein einziges Korn, wie unterschiedlich Whisky schmecken kann. Es kommt darauf an, ob man ihm die Wahl über das Klima überlässt oder über die Tradition.

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