
Schmuggel & Lizenz
Region & Geschichte
In den Glens der Highlands brannte über Jahrhunderte mehr Whisky, als der Staat je zu Gesicht bekam. Torf und Gerste gab es auf jedem Hof, die nächste Zollstation lag oft einen Tagesmarsch entfernt. Bauern brannten im Winter, wenn die Feldarbeit ruhte, und verkauften den Rest heimlich weiter. Schätzungen aus den 1820er Jahren gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte des in Schottland getrunkenen Whiskys illegal gebrannt wurde, ein Großteil davon in den Highlands.
1823 zog der Excise Act einen Schlussstrich unter dieses Katz-und-Maus-Spiel. Das Gesetz senkte die Steuer auf legalen Alkohol und vereinfachte die Lizenzvergabe so stark, dass sich ein legaler Brennkessel plötzlich lohnte. Wer weiterhin schwarz brannte, riskierte jetzt echte Strafen, denn die Zollbehörde durfte Fässer und Anlagen ohne Umweg beschlagnahmen. Innerhalb weniger Jahre meldeten in den Highlands Dutzende Bauern ihre Brennereien offiziell an.
Einen echten Imagewandel brachte erst Queen Victoria. Als sie und Prinz Albert 1848 nahe Balmoral zu Gast waren, besuchten sie die kleine Brennerei am Fuß des Bergs Lochnagar. Der Besuch gefiel der Königin so gut, dass die Destillerie fortan den Titel „Royal“ tragen durfte, als Royal Lochnagar. Aus einem Getränk der Schmuggler wurde damit auch ein Getränk des Hofs.
Heute gehören viele Highland-Namen internationalen Konzernen. Glenmorangie steht seit 2004 unter dem Dach des französischen Luxuskonzerns LVMH, Dalmore gehört zur philippinischen Emperador-Gruppe. Gleichzeitig kommen neue, kleine Häuser dazu: Wolfburn in Thurso eröffnete 2013 und ist damit die nördlichste Brennerei auf dem schottischen Festland. Zwischen Weltkonzern und Ein-Mann-Betrieb zeigt sich, wie breit die Highlands heute aufgestellt sind.