
Highland nur nominell
Region & Geschichte
Kein Gesetz kennt „Islands" als eigene Whiskyregion. Die Scotch Whisky Regulations von 2009 zählen nur fünf Regionen auf. Wer auf Orkney, Skye, Jura, Mull, Arran, Lewis, Harris oder Raasay brennt, gehört rechtlich zum riesigen Highland-Gebiet. Trotzdem redet die ganze Branche von den Inseln wie von einer eigenen Welt. Das Meer prägt hier mehr als jede Verwaltungsgrenze.
Die Geschichten der einzelnen Brennereien laufen weit auseinander. Auf Jura brannte man schon 1810 Whisky. Das war dreizehn Jahre, bevor ein Gesetz das Brennen überhaupt legal machte. Auf Skye gründeten die Brüder Hugh und Kenneth MacAskill die Talisker-Brennerei 1830. Zuvor hatten sie als Gutsherren Pächterfamilien von ihrem Land vertrieben, eine der berüchtigten Highland Clearances.
Auf Orkney gründeten Macfarlane & Townsend die Scapa-Brennerei 1885. Sie liegt nur wenige hundert Meter von der Bucht entfernt, die ihr den Namen gab. Scapa Flow wurde im Ersten und im Zweiten Weltkrieg zum wichtigsten Ankerplatz der britischen Marine. 1919 versenkte die deutsche Kriegsflotte dort fast ihre gesamte Hochseeflotte selbst. Whiskyproduktion und Weltpolitik lagen auf Orkney oft näher beieinander, als es der Insel lieb war.
Viele Inselbrennereien mussten schließen und warteten Jahrzehnte auf eine zweite Chance. Ledaig auf Mull startete 1798. Ab 1837 lag sie einundvierzig Jahre still, öffnete 1878 neu und wurde 1930 von der Distillers Company endgültig dichtgemacht. Erst 1972 stieg unter dem Namen Tobermory wieder Rauch aus dem Schornstein. Auch auf Arran gab es lange keine legale Brennerei mehr. Erst 1995 eröffnete der frühere Chivas-Direktor Harold Currie mit Lochranza eine neue. Heute erlebt die Region einen zweiten Frühling. Torabhaig auf Skye ging im Januar 2017 in Betrieb, Lagg im Süden Arrans folgte 2019. Auch auf Raasay, Lewis und Harris wird inzwischen wieder legal gebrannt.