
Gerste vom Festland
Getreide
Wer über die Inseln fährt, sieht selten ein Gerstenfeld. Der Wind ist hier stark und salzig. Getreide reift deshalb kaum, und die dünnen, steinigen Böden geben wenig her. Fast das gesamte Malz für Highland Park, Talisker, Jura oder Tobermory reist vom schottischen Festland an. Gemälzt wird es in großen Mälzereien, erst auf der Insel wird es vermahlen und eingemaischt.
Die Scotch Whisky Regulations von 2009 sind streng. Single Malt darf nur aus Wasser, gemälzter Gerste und Hefe entstehen. Gebrannt wird in Pot Stills, gereift mindestens drei Jahre in Eichenfässern bis 700 Liter, alles in Schottland. Andere Getreidesorten wie Mais oder Roggen, wie sie amerikanischer Bourbon oder Rye Whiskey brauchen, sind für Single Malt tabu.
Beim Torfgrad gehen die Inseln eigene Wege. Auf Mull laufen durch dieselben Brennblasen zwei völlig unterschiedliche Whiskys: unrauchiger Tobermory und stark torfiger Ledaig. Gebrannt wird in wechselnden Kampagnen, je nachdem, welches Malz gerade eingemaischt wird. Auf Jura war die Gerste lange unrauchig, weil die hohen, schlanken Brennblasen einen leichten, klaren Stil begünstigten. Erst seit Ende der 1990er-Jahre brennt die Destillerie auch kleinere Mengen mit getorftem Malz.
Die jüngste Brennerei der Region ist Lagg im Süden Arrans. Seit ihrer Eröffnung 2019 setzt sie fast ausschließlich auf stark getorftes Malz. Damit positioniert sie sich bewusst gegen die fruchtige, unrauchige Lochranza-Brennerei im Norden derselben Insel. Zwei Brennereien, eine Insel, zwei Malzphilosophien: genau das ist typisch für die ganze Region.