
Schmuggel & Lizenz
Region & Geschichte
Kaum ein Fleck Schottlands hat so viele Brennereien wie das Tal des Flusses Spey zwischen Elgin und den Hängen des Ben Rinnes. Schon im achtzehnten Jahrhundert brannten hier unzählige Bauern heimlich ihren eigenen Whisky, weit weg von den Augen der Steuerbeamten in den Städten. Das Wasser der Berge war weich, die Gerste wuchs auf den eigenen Feldern, und ein Fass ließ sich im Moor leichter verstecken als eine Kuh.
Im Glen Livet, einem Seitental der Spey, wurde die Lage besonders eng. Um das Jahr 1820 beschlagnahmten die Zollbeamten dort jährlich rund vierzehntausend illegale Brennanlagen. Trotzdem lief das Geschäft weiter, denn die offizielle Steuer war so hoch, dass sich Schmuggelware selbst mit dem Risiko einer Strafe noch lohnte.
1823 änderte ein neues Steuergesetz die Rechnung. Gegen eine feste Jahresgebühr und eine Abgabe je Gallone durften Bauern nun offiziell brennen, und der Bauer George Smith aus Glenlivet nutzte die Chance als Erster im Tal. Seine ehemaligen Schmuggelkollegen sahen darin Verrat und drohten ihm mehrfach mit dem Tod. Smith soll fortan mit zwei Pistolen im Gürtel zu seiner eigenen Brennerei geritten sein.
Die Zahlen sprechen für das neue Gesetz. 1834 fanden die Beamten nur noch 692 illegale Anlagen, 1874 waren es sechs. Mit der Eisenbahn, die ab den 1860er Jahren bis nach Dufftown und Craigellachie reichte, ließ sich das fertige Fass erstmals leicht zum Hafen und damit in die Welt bringen. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden entlang der Spey Dutzende neue Brennereien.
Heute zählt Speyside mehr als fünfzig aktive Brennereien, über die Hälfte aller in Schottland. In Dufftown, wo einst sieben davon standen, heißt es bis heute augenzwinkernd, die Stadt sei auf sieben Fässern gebaut wie Rom auf sieben Hügeln. Als eigene Region ist Speyside seit den Scotch Whisky Regulations von 2009 auch gesetzlich anerkannt, neben Highland, Lowland, Islay und Campbeltown.