
Vier junge Pioniere
Region & Geschichte
Schweden hatte über Jahrhunderte keine eigene Whiskytradition. Das lag nicht an fehlendem Talent, sondern an einem strengen Gesetz. Bis 1955 durfte Alkohol nur gegen Eintrag im Rationierungsheft, der Motbok, gekauft werden. Private Brennereien waren in dieser Zeit praktisch unmöglich. Im selben Jahr entstand der staatliche Alkoholmonopolist Systembolaget, und der Zugang zu Spirituosen wurde dadurch etwas leichter. Bis zur ersten eigenen Whiskybrennerei dauerte es trotzdem noch vierzig weitere Jahre.
1999 war es so weit: In Valbo bei Gävle, im alten Mühlengebäude Mackmyra Bruk, lief die erste Destille an. Mackmyra wurde damit Schwedens erste Whiskybrennerei überhaupt. Zunächst lief nur ein Pilotprojekt, ab 2002 dann der volle Betrieb, und andere Brennereien folgten schnell. 2008 eröffneten Anja und Henric Molin auf der kleinen Insel Hven im Öresund die Brennerei Spirit of Hven. Sie gilt bis heute als die kleinste Kupferbrennerei der Welt. 2010 ging im alten Kraftwerk einer stillgelegten Holzkistenfabrik in Bjärtrå an der Ångermanälven die Brennerei Box in Betrieb. 2018 benannte sie sich wegen einer Namensverwechslung mit der britischen Compass Box in High Coast um. Im selben Jahrzehnt startete an der Westküste, nahe Hunnebostrand, die kleine Brennerei Smögen.
Eine eigene Whiskyregulierung wie in Schottland besitzt Schweden nicht. Die Brennereien richten sich stattdessen nach den allgemeinen EU-Regeln für Whisky. Was das Land wirklich prägt, ist Tempo: Innerhalb von nur zwölf Jahren entstanden vier eigenständige Häuser. Jedes gibt eine andere Antwort auf die Frage, was schwedischer Whisky sein kann.
Heute zeigt sich, wie schnell das junge Land aufgeholt hat. Mackmyra legte mit einem zwanzig Jahre alten Single Malt Schwedens bislang ältesten eigenen Whisky vor. Das ist ein Beleg dafür, dass die erste Generation der Fässer inzwischen selbst reif geworden ist.