Region & Geschichte in der Region Schweizer Whisky

Verbot bis 1999

Region & Geschichte

Am 1. Juli 1999 lief in der Schweiz zum ersten Mal seit Jahrzehnten legal Whisky aus einer Brennblase. Bis zu diesem Tag stand das Brennen von Getreide und Kartoffeln unter Strafe, weil beides als Grundnahrungsmittel galt. Das Alkoholgesetz von 1932 hatte den Schutz verschärft, aus Sorge um die Versorgung in Kriegs- und Mangeljahren. Erst eine Totalrevision hob das Verbot auf und öffnete den Markt für Spirituosen aus Korn.

Wer gewartet hatte, legte sofort los. In Lauwil im Baselbiet lief noch am selben Tag die Bader-Brennerei an und stellte mit Hollen den ersten Schweizer Whisky überhaupt her. In Elfingen im Fricktal gründete Ruedi Käser die Whisky Castle, benannt nach einem ehemaligen Pfarrhaus aus dem achten Jahrhundert, das der Volksmund wegen des zehntenfordernden Pfarrers spöttisch „Schloss" nannte. Auch Braumeister Karl Locher in Appenzell begann 1999 mit dem Brennen, drei Jahre bevor sein Säntis Malt in den Verkauf ging.

Viele der ersten Brenner kamen aus dem Bierbrauen, nicht aus der Landwirtschaft. Locher führte seit 1886 eine Brauerei in Appenzell und besaß bereits Sudkessel, Malz und Fässer, als das Gesetz fiel. In Aarwangen stand die Brennerei der Familie Baumberger schon seit 1857 in einem Kornhaus von 1616, ursprünglich als Getreidespeicher gebaut, heute umgebaut zur Langatun Distillery. Das Wissen ums Mälzen war da – nur brennen durfte bislang niemand.

Aus dieser Startlinie wuchs in wenigen Jahren eine eigene Szene. Langatun wurde zur größten Whisky-Brennerei des Landes, mit einer wachsenden Fangemeinde weit über die Region Oberaargau hinaus. Andere Betriebe folgten in den Bergkantonen, wo Brauereien und Bauernhöfe ihre alten Kessel für den neuen Zweck umrüsteten. Heute gilt das Verbot als Fußnote, doch es erklärt, warum die Szene noch so jung ist und warum sie so eng mit dem Bierbrauen verwandt bleibt.

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