
Monopol & Öffnung
Region & Geschichte
1901 richtete die japanische Kolonialverwaltung in Taiwan ein staatliches Monopolamt ein. Es kontrollierte Tabak, Salz und eben auch Alkohol – wer legal brennen wollte, brauchte die Erlaubnis des Staates, keine private Brennerei durfte daneben bestehen. Nach 1945, als Taiwan unter die Verwaltung der Republik China kam, blieb das Amt als taiwanesisches Provinz-Monopolamt bestehen. An dieser Struktur änderte sich jahrzehntelang kaum etwas.
Das kippte erst 2002, als Taiwan der Welthandelsorganisation beitrat und das staatliche Alkoholmonopol aufgeben musste. Aus dem Amt wurde am 1. Juli desselben Jahres die Taiwan Tobacco and Liquor Corporation, kurz TTL – ein Staatsunternehmen, aber offen für Wettbewerb. Zum ersten Mal durften auch private Brennereien in Taiwan legal Whisky herstellen.
TTL besaß in Nantou, mitten im Bergland Zentraltaiwans, bereits eine Brennerei: 1977 gegründet, hatte sie bis dahin Wein, Brandy, Rum und Fruchtspirituosen produziert. 2008 kam eine Malzwhisky-Anlage hinzu, im Jahr darauf lief das erste Destillat vom Band. Den neuen Whisky nannte man Omar, nach einem schottisch-gälischen Wort für Bernstein – die Farbe, die ein guter Whisky im Fass annimmt.
2013 kamen die ersten beiden Abfüllungen auf den Markt, eine aus Bourbon-, eine aus Sherryfässern, beide in Fassstärke. 2015 folgte etwas, das es weltweit so noch nicht gab: ein Single Malt, nachgereift in Fässern, die vorher Litschi-Likör getragen hatten. Die erste Charge war am Erscheinungstag ausverkauft.
1999 hatte das schwere Erdbeben von Jiji weite Teile Zentraltaiwans verwüstet, auch Nantou. Der Wiederaufbau der Region zog sich über Jahre, neue Projekte sollten Arbeit und Einnahmen zurückbringen. Der Whisky aus der alten Fruchtbrennerei wurde Teil dieser Geschichte – heute steht Omar neben anderen taiwanesischen Whiskymarken, im Ausland aber deutlich weniger bekannt.