
Import statt Anbau
Getreide
Keine einzige Ähre für den Omar-Whisky wächst in Taiwan. Das Malz kommt fertig aus Großbritannien, ein Großteil davon aus Schottland – Nantou vermälzt selbst nichts, sondern verarbeitet, was auf dem Seeweg ankommt.
Der Grund liegt im Klima: Gerste für Whisky braucht kühle, trockene Phasen zum Reifen und Ernten, Zentraltaiwans feuchtsubtropisches Wetter bietet das nicht. Schon andere taiwanesische Brennereien importieren deshalb ihr Malz, Nantou macht es genauso.
Beim Maischen löst heißes Wasser aus der hauseigenen Quelle die Zucker aus dem geschroteten Malz, die Würze läuft in die Gärbottiche. Dort macht Hefe daraus in wenigen Tagen ein junges, mildes Bier, die Vorstufe für die Brennblase.
Andere Whiskystile bauen auf anderen Kornarten auf: Bourbon braucht mindestens 51 Prozent Mais, Roggenwhisky mindestens 51 Prozent Roggen, irischer Whiskey mischt oft ungemälzte mit gemälzter Gerste. Omar bleibt bei der reinen Linie des Single Malt – nur gemälzte Gerste, sonst nichts.
Gelegentlich kommt schon torfig vermälztes Malz ins Haus, für die rauchigeren Abfüllungen der Reihe – Taiwan selbst hat keine Torfmoore, auch dieser Torf reist aus Schottland an. Die Gerste dahinter ist meist zweizeilig. Eine eigene Gesetzeslinie wie die schottische kennt Taiwan nicht: Kein Gesetz schreibt vor, was hier Whisky heißen darf. TTL hält sich trotzdem an die internationale Grundregel des Single Malt – nur gemälzte Gerste, zweifache Destillation in der Brennblase, Reifung im Holzfass.
Bei Nantou gibt es nur Single Malt, keinen Blend und keinen Whisky aus der Column Still – jede Flasche stammt komplett aus der eigenen Brennblase.